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vom 20.05.2016, aktuelle Version,

Fernsehen in Österreich

Ein ORF-Interview in Wien (2009)
HD-Aufzeichnung einer Sportveranstaltung (2008)

Fernsehen in Österreich ist ein zentraler Teil der Medienlandschaft in Österreich; sowohl aus kultureller als auch aus sozialer, politischer und wirtschaftlicher Perspektive. Während es im Jahr 1960 noch 193.046 angemeldete Fernsehteilnehmer gab, stieg die Zahl im Jahr 2010 auf 3.251.697.

Geschichte

Sender

ORF-Landesstudio Tirol

Derzeit existieren in Österreich, je nach Zählweise, mehr als 160 Fernsehsender.[1] Die meisten von ihnen sind kommerzieller Natur. Der Markt wird ungefähr zur Hälfte von öffentlich-rechtlichen Sendern kontrolliert (z.B. ORF eins, ORF 2, ORF III), die andere Hälfte von in- und ausländischen Privatsendern.

Öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalten

Die ursprünglich als Informationsquellen gedachten öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten versorgen die Bevölkerung, neben der Grundversorgung an Wissen, in wachsendem Umfang an Unterhaltung. Finanziert wird das Programm hauptsächlich mit den Einnahmen aus den GIS-Gebühren, zu einem kleineren Prozentsatz auch durch Werbeeinnahmen.

Täglich um 19 Uhr wird das österreichische Regionalprogramm des staatlichen Senders ausgestrahlt. Das zentrale Element des Programmfensters ist die Sendung Bundesland heute, die sich mit Nachrichten, Themen und Ereignissen aus dem jeweiligen Bundesland beschäftigt. Von Montag bis Freitag wird die Tirol-Ausgabe von Bundesland heute mit der Sendung Südtirol heute ergänzt. Regelmäßig werden nach der Regionalwettervorhersage diverse Magazine in das Fenster eingebaut. Ein Beispiel hierfür ist Servus, Srečno, Ciao in ORF 2 Kärnten.

Zusammen mit dem SRF, der ARD und dem ZDF betreibt der ORF den werbefreien und 1984 gestarteten, kulturorientierten Fernsehsender 3sat.

Kommerzielle Fernsehsender

Der erste österreichweit empfangbare Privatsender ging zu Beginn des Jahres 2000 unter dem Namen ATVplus, heute ATV, on air, dessen Einschaltquoten in der Prime-Time bei rund 7,6 % liegen. Das Privatfernsehen in Österreich wird durch die Unternehmen ProSiebenSat.1 Media SE und RTL Group verhältnismäßig stark beeinflusst. Die größten Sender der ProSiebenSat.1 Media, also Sat.1 Österreich, ProSieben Austria, kabel eins austria und Puls 4 hatten 2010 einen Gesamtmarktanteil von ca. 18 %. Im frei empfangbaren Fernsehen gibt es in Österreich neben den öffentlich-rechtlichen Sendern eine Vielzahl von Privatsendern, welche von den GIS-Einnahmen nicht profitieren und sich daher ausschließlich über Werbeeinnahmen und Gewinnspiele finanzieren; aus diesem Grund ist auch der Werbeanteil wesentlich höher als der des ORF. Daneben gibt es Spartenprogramme wie Musiksender (z.B. gotv), Informationssender (z.B. Servus TV) und Regionalsender (z.B. tirol tv, RE eins, Innsat.TV, LT1).

Nichtkommerzielle Fernsehsender

Seit 2005 gibt es in Österreich nichtkommerzielles, werbefreies Fernsehen. Die gemeinnützigen Unternehmen werden hauptsächlich aus Förderungen finanziert. Inhaltlich sind sie im Bereich Kultur, Subkultur, Fremdsprachen, Jugend und Medienbildung angesiedelt und erfüllen Aufgaben der freien Meinungsäußerung der Bevölkerung. Mit Okto, dorf und FS1 senden drei Stationen in Wien, Linz und Salzburg, sind im Verband Community Fernsehen Österreich als Interessenvertretung organisiert und unterliegen einer eigenen Charta, die ihre Prinzipien in Struktur und Inhalt definiert.

Bezahlfernsehen/Pay TV

Zu den wichtigsten Anbietern von Bezahlfernsehen gehört neben Sky Österreich auch der jüngere Konkurrent austriasat. Pay TV für Auslandsösterreicher existiert nicht, jedoch sendet der ORF das Programm von ORF 2 unverschlüsselt über ORF Sat bzw. seit 2004 über den Nachfolgesender ORF 2 Europe, der während einer Sendung ohne europaweite Rechte lediglich den Teletext ausstrahlt.

Marktanteile

Sendungen

Journalismus

Die zentrale Sendung beider ORF-Vollprogramme ist das Nachrichtenformat Zeit im Bild. Für den ORF sind 26 Korrespondenten in insgesamt 16 Büros weltweit tätig. Das größte private Nachrichten-Netzwerk ist das der AustriaNews, bei dem täglich dreizehn Nachrichtensendungen ausgestrahlt werden. Hier legt man weniger Wert auf Korrespondenten, das journalistische Niveau ist aber mit dem des ORF vergleichbar.

Unterhaltungssendungen

Heutzutage ist das Angebot an österreichischen Unterhaltungsformaten breit gefächert. Besonders beliebt sind Quizshows, Krimisendungen und Magazine. Zur Zeit der Öffnung des Eisernen Vorhangs waren Talkshows äußerst erfolgreich. Besonders hervorzuhebende Formate werden hier aufgelistet:

Serien, Reihen, Soaps

Shows

Kindersendungen

Bedeutende österreichische Kindersendungen sind beispielsweise:

  • Forscherexpress: Wissenssendung seit 2004, mit der Romy 2004 ausgezeichnet
  • Tom Turbo: seit 1993, Fantasy-Serie mit dem Charakter eines Krimis, auch in Deutschland ausgestrahlt
  • Kasperltheater: seit 1957, weltweit älteste TV-Kindersendung
  • 1, 2 oder 3: seit 1977, Quizshow für Kinder, entsteht in Zusammenarbeit mit dem SF und dem ZDF

Sport

Größere Sportveranstaltungen, wie der FIS Ski-Worldcup und die Olympischen Spiele werden fast vollständig vom Österreichischen Rundfunk ausgestrahlt. Jedoch sichern sich immer mehr Privatsender die Rechte an diversen Großereignissen. So entreißt Puls 4 dem ORF die Rechte an der Champions League ab 2012, auch Servus TV beginnt mit der Servus Hockey Night Live mit der Übertragung von Sport.

Diverse Randsportarten werden in ORF SPORT + ausgestrahlt. In letzter Zeit gab es allerdings Unklarheiten, welche Ereignisse der ORF in diesem Spartenkanal zeigen darf und welche nicht, da das ORF-Gesetz die Übertragung von „Premiumsport“ auf ORF SPORT + nicht vorsieht. Daher beschloss der Nationalrat eine Neuregelung, welche besagt, dass Sportevents, bei denen der Premium-Charakter nicht klar ist, der ORF den Privatsendern die Rechte anbieten soll. Verzichten diese, darf der ORF senden.

Personen

Alfons Haider
Armin Assinger

Für die Fernsehwelt in Österreich sind unter anderem folgende Personen von großer Bedeutung:

Moderatoren, Journalisten und Showmaster

Sprecher

Intendanten

ORF-Intendant Alexander Wrabetz (2005)

Schauspieler

Technik

Das ORF Landesstudio in Niederösterreich

Die meist genutzten Übertragungswege sind Satelliten und Kabelnetze. Auch terrestrische Verbreitung ist üblich, allerdings nur noch digital. Die Umstellung auf diesen digitalen DVB-T-Standard wurde 2011 fertiggestellt. Die digitale Satellitenübertragung über DVB-S hat sich bereits erfolgreich etabliert. Im Kabelfernsehen findet DVB-C erst wenig Verwendung, genauso wie Fernsehen über das Internet. Zwar werden praktisch alle Standards genutzt, jedoch sendet nicht jeder Sender in allen Modi. Seit einem geraumen Zeitraum sendet der ORF, wie später auch diverse andere Sender, in hochauflösender Qualität. Viele der ausgestrahlten Formate liegen allerdings nur PAL vor und müssen hochskaliert werden. Nur wenige Sendungen werden in nativem HD produziert. Viele Privatsender nutzen Plattformen wie HD Austria, um ihr hochauflösendes Programm zu übertragen. Viele Eigenproduktionen der öffentlich-rechtlichen Sender werden auch im Zweikanalton angeboten.

Finanzierung

Jeder österreichische Bürger mit einem einsatzfähigen Fernseh- bzw. Radiogerät ist, abgesehen von wenigen Ausnahmen, verpflichtet, Rundfunkgebühren zu entrichten. Die Einnahmen gehen an die Gebühren Info Service Gesellschaft m.b.H. (abgekürzt: GIS) welche vorrangig zur Finanzierung öffentlich-rechtlicher Fernseh- und Radioprogramme verwendet werden.

Kommerzielle Sender halten sich größtenteils durch Fernsehwerbung aufrecht. Weitere Finanzierungsmöglichkeiten sind Call-in-Gewinnspiele, Spenden, Verkauf von Produkten (Homeshopping-Sender) oder Telefonmehrwertdienste (z.B. Astrologie-Sender).

Fernsehpreise

Die bekanntesten Fernsehpreise sind neben dem Axel-Corti-Preis und dem Erich-Neuberg-Preis der Fernsehpreis der Österreichischen Erwachsenenbildung sowie der Romy, welcher alljährlich von der Tageszeitung Kurier verliehen wird.

Konsum

Für das Jahr 2011 wurden knapp 3,27 Mio. gemeldete Fernsehteilnehmer in Österreich verzeichnet; demnach hatten 89,4 % der Privathaushalte eine gültige Fernsehlizenz, wobei die Empfangsdichte in Wien mit 77,6 TV-Lizenzen pro 100 Haushalte am niedrigsten und im Burgenland (99,7 %) am höchsten war.[2] Ungefähr zwei Drittel der Österreicher sehen täglich länger als 120 Minuten fern. Der Kabelnetzbetreiber UPC Austria spricht hierbei von einem Spitzenwert; lediglich französische, niederländische sowie belgische Rundfunkteilnehmer würden länger fernsehen. 16 % der Bevölkerung in Österreich sitzt nicht täglich vor dem Fernseher, für einen Großteil der Menschen (84 %) ist es unvorstellbar, einen Tag lang darauf zu verzichten; allerdings würde nur jeder 50. zu Hause bleiben, um eine bestimmte Sendung nicht zu verpassen. Etwa die Hälfte aller Haushalte ist im Besitz eines zweiten Fernsehgeräts, circa ein Fünftel besitzt drei Apparate, jeder zehnte Haushalt mindestens vier.[3]

Sonstiges

  • Österreich ist Eurovision-Teilnehmer.
  • Jeder große österreichische Sender bietet Teletext, EPG und ShowView-Zahlen.
  • Außerhalb der Sendeaktivität sind zumindest die bundesweit aktiven Sender mit Websites vertreten, die das Programm teilweise sehr ausführlich begleiten.

Einzelnachweise

  1. RTR - Fernsehveranstalter nach Programmname
  2. STATISTIK AUSTRIA - Hörfunk und Fernsehen
  3. Österreicher sehen oft und lange fern - Vor der Glotze - Familie - krone.at