Page - 30 - in Der sogenannte Antiquus Austriacus und weitere auctores antiquissimi - Zur ältesten Überlieferung römerzeitlicher Inschriften im österreichischen Raum
Image of the Page - 30 -
Text of the Page - 30 -
30 | Inschriftenüberlieferung bis zum Ende des 14. Jahrhunderts
Zudem muss er die Stellung des Klosterbibliothekars innegehabt haben, da uns von
seiner Hand einige Bücherverzeichnisse erhalten geblieben sind.65 Schon aus dem
zweiten Teil des von Berchtold verfassten Wohltäterverzeichnisses wird deutlich,
dass er sich auch viel und gerne mit Geschichte beschäftigte. Es passt also durchaus
in das Bild dieses vielseitig interessierten Mönches, dass wir gerade ihm die erste
Überlieferung einer norischen Inschrift verdanken. An der Entstehung der „eigen-
artigen, auch die Haus- und Landesgeschichte erfassenden Sammel-, ja geradezu
Inventurarbeit der Kremsmünsterer Geschichtsquellen“66 war er ganz maßgeblich
beteiligt. Während in der heute in der Österreichischen Nationalbibliothek aufbe-
wahrten, aber zweifellos ebenfalls in Kremsmünster verfassten Handschrift CVP 610
vor allem eine Unzahl an Bemerkungen und Notizen aus seiner Feder stammt, so
handelt es sich bei dem Kremsmünsterer Codex Cim. 3 um ein echtes Autograph,
dem vielfach die Texte in der Wiener Handschrift zugrunde liegen.
Im Rahmen der Bearbeitung des im CVP 610 enthaltenen Kataloges der Bischöfe von
Lorch und Passau67 verfasste Berchtold einen neuen Prolog.68 Gegen Ende dieser Ein-
leitung kommt er auf die Gründung der Lorcher Kirche zu sprechen und berichtet,
dass „tempore Rudolfi regis et domini Wernhardi episcopi Pataviensis“, also zwischen 1285
und 1291, bei Renovierungsarbeiten an der Ostseite des Gotteshauses „quaedam
imagines cum litteris sculptis in lapidibus“ gefunden worden seien.69 Da Berchtold diese
„litterae“ für wichtig hält, gibt er sie in der Folge so wieder, wie er sie nach eigenen
Angaben selbst gesehen hat („sicuti ibi vidi“)70: „d m Seccius secundinus vet leg t alpf
eiula severio cona eius si bite seccio secundino filte mariis maximo te secundo nepotibus suis
vivi fecerunt te. et infra: obito anno XXV.“
65 Zu seiner Tätigkeit in der Bibliothek vgl. neben der bereits genannten Literatur auch Willibrord
Neumüller, Zur mittelalterlichen Bibliotheksgeschichte Kremsmünsters (bes. Kap. IV: Die Bibliothek
unter Abt Friedrich von Aich. 1275–1325), in: Festschrift zum 400jährigen Bestande des öffentlichen Ober-
gymnasiums der Benediktiner zu Kremsmünster, hrsg. vom Professorenkollegium, Wels 1949, 281–292
sowie ders. und Kurt Holter, Die mittelalterlichen Bibliotheksverzeichnisse des Stiftes Kremsmünster
(Schriftenreihe des Institutes für Landeskunde von Oberösterreich 2), Linz 1950, Verzeichnisse III–
IX.
66 Lhotsky, Österreichische Historiographie 27.
67 CVP 610, fol. 82r–83v, 89v–90v.
68 CC Cim. 3, fol. 1r–8r. Nach Neumüller, Bernardus Noricus 108, stammt dieser bis 1321 reichende
Katalog ebenso wie die folgenden drei Zusammenstellungen zweifelsfrei von Berchtold selbst.
Gedruckt bei Loserth, Kremsmünsterer Geschichtsquellen 32–33, und in den MGH SS XXV, hrsg. von
Georg Waitz, Hannover 1880, Ndr. Stuttgart 1974, 651–652. Die Ausgabe von Waitz ist als die
bessere zu bezeichnen. Eine Konkordanz zwischen den beiden Druckwerken bietet Lhotsky,
Quellenkunde 285–286. Zur Beschreibung der Handschrift CC Cim. 3 siehe Fill, Kremsmünsterer
Handschriftenkatalog, Katalogband 40–49.
69 CC Cim. 3, fol. 1r. Die Regierungszeit König Rudolfs I. (1273–1291) und des Passauer Bischofs
Wernhard von Prambach (1285–1313) überschnitt sich im oben genannten Zeitraum; vgl. Lothar
Eckhart, Die St. Laurentius-Kirche zu Lauriacum-Lorch (Enns in Geschichte und Wissenschaft), in:
JOÖMV 120 (1975) 37–55, hier: 49.
70 Die Vermutung, dass Berchtold (auch) der Inschrift wegen nach Lorch gereist sein könnte, drängt
sich zwar angesichts seiner peniblen Arbeitsweise fast auf, scheint aber letztlich doch zu gewagt.
Der sogenannte Antiquus Austriacus und weitere auctores antiquissimi
Zur ältesten Überlieferung römerzeitlicher Inschriften im österreichischen Raum
- Title
- Der sogenannte Antiquus Austriacus und weitere auctores antiquissimi
- Subtitle
- Zur ältesten Überlieferung römerzeitlicher Inschriften im österreichischen Raum
- Author
- Doris Marth
- Publisher
- Holzhausen Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2016
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-902976-43-7
- Size
- 21.4 x 30.2 cm
- Pages
- 572
- Keywords
- Antiquus Austriacus, Austria, Epigraphy, Humanism, Inscriptions, Manuscript Tradition, Roman Period, Antiquus Austriacus, Epigraphik, Humanismus, Inschriften, Österreich, Römerzeit, Überlieferung
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen
Table of contents
- 1 Zur historischen Entwicklung der Überlieferung lateinischer, insbesondere norischer Inschriften von den Anfängen bis zum Ende des 14. Jahrhunderts 19
- 1.1 Anfänge und Vorstufen der Überlieferung lateinischer Inschriften 19
- 1.2 Anfänge und Vorstufen der Überlieferung norischer Inschriften 23
- 1.3 Berchtold von Kremsmünster und die älteste Abschrift einer norischen Inschrift 26
- 1.4 Die Inschrift CIL III 5630 im Codex membraneus LIV des Stiftes Lambach 36
- 2 Neue Impulse aus Italien: Humanismus und Renaissance als „Geburtsphase“ der lateinischen Epigraphik 40
- 3 Die Ausbreitung und Etablierung humanistischen Gedankengutes im Ostalpenraum aus epigraphischer Sicht 56
- 4 Augustinus Prygl Tyfernus und die norischen Inschriften 99
- 5 Der sogenannte Antiquus Austriacus: Mommsens Pseudonym für den Verfasser der ältesten Sammlung norischer Inschriften 139
- 6 Die Wiener Handschrift CVP 3255* 147
- 7 Der Codex Pragensis XIII G 14 der Národní Knihovna, Prag 162
- 7.1 Das Verhältnis zwischen CP XIII G 14 und CVP 3255*: Eine Inschriftensammlung und ihr Register 170
- 7.2 Folgen aus dem Zusammenhang CVP 3255* – CP XIII G 14 174
- 7.3 Johannes Fuchsmagen und der CP XIII G 14 182
- 7.4 Zur Frage nach den Quellen für den CP XIII G 14 198
- 7.5 Codex Pragensis XIII G 14: Zusammenfassung der bisherigen Ergebnisse und Gesamtbetrachtung 221
- 8 Konrad Peutinger und die norischen Inschriften 228
- 8.1 Peutingers handschriftliche Inschriftensammlungen 230
- 8.2 Johannes Fuchsmagen als Peutingers Gewährsmann 244
- 8.3 Die „Antiquus-Austriacus-Inschriften“ und die Inschriften von Augustinus Prygl Tyfernus in Peutingers 2° Cod. H 24 246
- 8.4 Zusammenfassung: Der Wert von Peutingers Handschriften für die Überlieferung norischer Inschriften 264
- 9 Johannes Choler und seine Inschriftensammlung 265
- 10 Die „Inscriptiones Sacrosanctae Vetustatis“ von Petrus Apianus und Bartholomaeus Amantius 295
- 10.1 Zur Intention und Gliederung des Werkes sowie zur Nennung seiner Quellen 300
- 10.2 Johannes Choler und die Inscriptiones sacrosanctae vetustatis 301
- 10.3 Die Inschriftensammlungen von Konrad Peutinger und Augustinus Prygl Tyfernus – Quelle für die Inscriptiones sacrosanctae vetustatis? 302
- 10.4 Johannes Aventinus als Quelle für die Inscriptiones sacrosanctae vetustatis 304
- 10.5 Der Codex Pragensis XIII G 14 und sein Verhältnis zu den Inscriptiones sacrosanctae vetustatis 305
- 10.5.1 Das Verzeichnis epigraphischer Abkürzungen im CP XIII G 14 und bei Apianus/Amantius 307
- 10.5.2 Der CP XIII G 14 als Quelle für norische (und oberpannonische) Inschriften bei Apianus/Amantius 311
- 10.5.3 Konsequenzen aus dem unmittelbaren Zusammenhang zwischen dem CP XIII G 14 und den Inscriptiones sacrosanctae vetustatis 330
- 10.6 Parallel verwendete Quellen und mehrfach überlieferte Inschriften bei Apianus/Amantius 337
- 10.7 Zusammenfassende Betrachtungen zur Arbeitsweise von Apianus/ Amantius und Gesamtbewertung der Inscriptiones sacrosanctae vetustatis 345
- 11 Johannes Fuchsmagen und seine epigraphische Sammeltätigkeit 347
- 12 Anhang: Tabellen zur Überlieferung norischer und oberpannonischer Inschriften 376
- Einleitende Bemerkungen und Hinweise zur Benützung 376
- Tab. 12.1: Inschriften bei Paolo Santonino, Cod. Vat. Lat. 3795 379
- Tab. 12.2: Inschriften, die von Augustinus Tyfernus und vom sogenannten Antiquus Austriacus überliefert werden 380
- Tab. 12.3: Im CVP 3255* und CP XIII G 14 enthaltene Inschriften 386
- Tab. 12.4: Inschriften in den Codices von Augustinus Tyfernus im Vergleich mit dem CP XIII G 14 395
- Tab. 12.5: Inschriften-Erstbelege bei „Antiquus Austriacus“, Augustinus Tyfernus und im CP XIII G 14 415
- Tab. 12.6: Inschriften im 4° Cod. H 26 der SuStBA („Picturae“) im Vergleich mit dem CP XIII G 14 425
- Tab. 12.7: Inschriften in Peutingers 2° Cod. H 23 im Vergleich mit dem CP XIII G 14 427
- Tab. 12.8: Inschriften in Peutingers 2° Cod. H 24 im Vergleich mit dem CP XIII G 14 428
- Tab. 12.9: Inschriften in Cholers CLM 394 im Vergleich mit Peutingers 2° Cod. H 24 und CP XIII G 14 437
- Tab. 12.10: Inschriften bei Apianus/Amantius im Vergleich mit Augustinus Tyfernus und Peutingers 2° Cod. H 24 443
- Tab. 12.11: Inschriften bei Apianus/Amantius im Vergleich mit dem CP XIII G 14 475
- Tab. 12.12: „Antiquus-Austriacus-Inschriften“ bei Peutinger, Choler, CP XIII G 14/Fuchsmagen und Apianus/Amantius 490
- Abkürzungs- und Siglenverzeichnis 503
- Quellen- und Literaturverzeichnis 508
- Abbildungsnachweis 539
- Indices 542
- Inschriftenindex 542
- Orts- und Personenindex 548