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Humanismus und Renaissance aus epigraphischer Sicht | 51
minder bedeutsam wurden meines Erachtens Ciriacos Manuskripte, da sie noch
stärker als die beiden genannten Sammlungen rezipiert wurden. Man denke nur an
Giovanni Marcanova, Andrea Mantegna, Felice Feliciano, Giovanni Gioviano
Pontano und wiederum Giovanni Giocondo, um nur einige der zahlreichen Nach-
eiferer Ciriacos zu nennen.165
Nach Ott haben „zwar jüngere Antiquare römische Inschriften von Cyriacus über-
nommen, sich aber formal an der humanistischen Inschriftensylloge im Sinne etwa
Poggio Bracciolinis orientiert.“166 Doch auch diese formale Orientierung blieb nach
meinen Beobachtungen nur temporär wirksam: Die Ergänzung der transkribierten
Inschriften durch Zeichnungen (Sockel, Reliefs, profilierte Ränder etc.), die Ott bei
Ciriaco als formalen Mangel, nicht als willkommene Zusatzinformation für die
Benutzer seiner Handschriften interpretiert167, lebt bereits etwa 50 Jahre später wie-
der auf. So steht diese „übernächste Generation“ der auctores antiquissimi sowohl in
Poggios als auch in Ciriacos Tradition.168 Unter Berücksichtigung dieser Entwicklung
sind die Aufzeichnungen Ciriacos nur für das 15. Jahrhundert als Ausnahmeer-
scheinung zu werten.
Die Beschäftigung mit zahlreichen frühen italienischen und nicht-italienischen In-
schriftensammlungen hat mich vielmehr zu der Überzeugung geführt, dass beide
Formen gleichermaßen die späteren Humanisten beeinflusst haben: Die formal ge-
nau terminierte, topographisch orientierte Inschriftensammlung (Sylloge Poggiana,
Sylloge Signoriliana) ebenso wie die deskriptiv-antiquarische Überlieferung (Sylloge
Cyriacana). Mit anderen Worten: Poggios Wirken etwa wurde in epigraphischer
Hinsicht eher formal-tiefenwirksam, Ciriacos Tätigkeit eher antiquarisch-breiten-
wirksam.
In folgenden zwei Punkten ist Ciriaco d’Ancona nach meiner Auffassung jedenfalls
richtungsweisend geworden:
1. Arbeitsumfang
Mit Ciriaco setzt eine breite archäologisch-epigraphische Erschließung der Römerzeit
ein. Er hat sich nicht nur für die antiken Überreste der früheren Provinz Italia
interessiert, sondern sich in gleichem Maße um die Entdeckung und Überlieferung
epigraphischer Funde anderer Provinzen bemüht. Durch die frühe Verbreitung
seiner Aufzeichnungen hat er posthum Anregung für zahlreiche Nachahmer
165 Vgl. die fundierte Zusammenstellung von Erich Ziebarth, Die Nachfolger des Cyriacus von Ancona,
in: Neue Jahrbücher für das Klassische Altertum, Geschichte und Deutsche Literatur 11 (1903)
480–493, und ders., De antiquissimis inscriptionum syllogis, in: EE 9 (1903) 188–332. Jüngere Literatur
zu Feliciano, Marcanova und Giocondo nennen Mandowsky/Mitchell, Ligorio 9; zu diesen und an-
deren Nachfolgern Ciriacos siehe auch Weiss, Discovery of Antiquity 148–151.
166 Ott, Entdeckung des Altertums 158, Anm. 571.
167 Ott, Entdeckung des Altertums 158–159.
168 Vgl. etwa für Inschriften aus Noricum und den angrenzenden Gebieten die Sammlungen von
Johannes Choler und Augustinus Tyfernus.
Der sogenannte Antiquus Austriacus und weitere auctores antiquissimi
Zur ältesten Überlieferung römerzeitlicher Inschriften im österreichischen Raum
- Title
- Der sogenannte Antiquus Austriacus und weitere auctores antiquissimi
- Subtitle
- Zur ältesten Überlieferung römerzeitlicher Inschriften im österreichischen Raum
- Author
- Doris Marth
- Publisher
- Holzhausen Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2016
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-902976-43-7
- Size
- 21.4 x 30.2 cm
- Pages
- 572
- Keywords
- Antiquus Austriacus, Austria, Epigraphy, Humanism, Inscriptions, Manuscript Tradition, Roman Period, Antiquus Austriacus, Epigraphik, Humanismus, Inschriften, Österreich, Römerzeit, Überlieferung
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen
Table of contents
- 1 Zur historischen Entwicklung der Überlieferung lateinischer, insbesondere norischer Inschriften von den Anfängen bis zum Ende des 14. Jahrhunderts 19
- 1.1 Anfänge und Vorstufen der Überlieferung lateinischer Inschriften 19
- 1.2 Anfänge und Vorstufen der Überlieferung norischer Inschriften 23
- 1.3 Berchtold von Kremsmünster und die älteste Abschrift einer norischen Inschrift 26
- 1.4 Die Inschrift CIL III 5630 im Codex membraneus LIV des Stiftes Lambach 36
- 2 Neue Impulse aus Italien: Humanismus und Renaissance als „Geburtsphase“ der lateinischen Epigraphik 40
- 3 Die Ausbreitung und Etablierung humanistischen Gedankengutes im Ostalpenraum aus epigraphischer Sicht 56
- 4 Augustinus Prygl Tyfernus und die norischen Inschriften 99
- 5 Der sogenannte Antiquus Austriacus: Mommsens Pseudonym für den Verfasser der ältesten Sammlung norischer Inschriften 139
- 6 Die Wiener Handschrift CVP 3255* 147
- 7 Der Codex Pragensis XIII G 14 der Národní Knihovna, Prag 162
- 7.1 Das Verhältnis zwischen CP XIII G 14 und CVP 3255*: Eine Inschriftensammlung und ihr Register 170
- 7.2 Folgen aus dem Zusammenhang CVP 3255* – CP XIII G 14 174
- 7.3 Johannes Fuchsmagen und der CP XIII G 14 182
- 7.4 Zur Frage nach den Quellen für den CP XIII G 14 198
- 7.5 Codex Pragensis XIII G 14: Zusammenfassung der bisherigen Ergebnisse und Gesamtbetrachtung 221
- 8 Konrad Peutinger und die norischen Inschriften 228
- 8.1 Peutingers handschriftliche Inschriftensammlungen 230
- 8.2 Johannes Fuchsmagen als Peutingers Gewährsmann 244
- 8.3 Die „Antiquus-Austriacus-Inschriften“ und die Inschriften von Augustinus Prygl Tyfernus in Peutingers 2° Cod. H 24 246
- 8.4 Zusammenfassung: Der Wert von Peutingers Handschriften für die Überlieferung norischer Inschriften 264
- 9 Johannes Choler und seine Inschriftensammlung 265
- 10 Die „Inscriptiones Sacrosanctae Vetustatis“ von Petrus Apianus und Bartholomaeus Amantius 295
- 10.1 Zur Intention und Gliederung des Werkes sowie zur Nennung seiner Quellen 300
- 10.2 Johannes Choler und die Inscriptiones sacrosanctae vetustatis 301
- 10.3 Die Inschriftensammlungen von Konrad Peutinger und Augustinus Prygl Tyfernus – Quelle für die Inscriptiones sacrosanctae vetustatis? 302
- 10.4 Johannes Aventinus als Quelle für die Inscriptiones sacrosanctae vetustatis 304
- 10.5 Der Codex Pragensis XIII G 14 und sein Verhältnis zu den Inscriptiones sacrosanctae vetustatis 305
- 10.5.1 Das Verzeichnis epigraphischer Abkürzungen im CP XIII G 14 und bei Apianus/Amantius 307
- 10.5.2 Der CP XIII G 14 als Quelle für norische (und oberpannonische) Inschriften bei Apianus/Amantius 311
- 10.5.3 Konsequenzen aus dem unmittelbaren Zusammenhang zwischen dem CP XIII G 14 und den Inscriptiones sacrosanctae vetustatis 330
- 10.6 Parallel verwendete Quellen und mehrfach überlieferte Inschriften bei Apianus/Amantius 337
- 10.7 Zusammenfassende Betrachtungen zur Arbeitsweise von Apianus/ Amantius und Gesamtbewertung der Inscriptiones sacrosanctae vetustatis 345
- 11 Johannes Fuchsmagen und seine epigraphische Sammeltätigkeit 347
- 12 Anhang: Tabellen zur Überlieferung norischer und oberpannonischer Inschriften 376
- Einleitende Bemerkungen und Hinweise zur Benützung 376
- Tab. 12.1: Inschriften bei Paolo Santonino, Cod. Vat. Lat. 3795 379
- Tab. 12.2: Inschriften, die von Augustinus Tyfernus und vom sogenannten Antiquus Austriacus überliefert werden 380
- Tab. 12.3: Im CVP 3255* und CP XIII G 14 enthaltene Inschriften 386
- Tab. 12.4: Inschriften in den Codices von Augustinus Tyfernus im Vergleich mit dem CP XIII G 14 395
- Tab. 12.5: Inschriften-Erstbelege bei „Antiquus Austriacus“, Augustinus Tyfernus und im CP XIII G 14 415
- Tab. 12.6: Inschriften im 4° Cod. H 26 der SuStBA („Picturae“) im Vergleich mit dem CP XIII G 14 425
- Tab. 12.7: Inschriften in Peutingers 2° Cod. H 23 im Vergleich mit dem CP XIII G 14 427
- Tab. 12.8: Inschriften in Peutingers 2° Cod. H 24 im Vergleich mit dem CP XIII G 14 428
- Tab. 12.9: Inschriften in Cholers CLM 394 im Vergleich mit Peutingers 2° Cod. H 24 und CP XIII G 14 437
- Tab. 12.10: Inschriften bei Apianus/Amantius im Vergleich mit Augustinus Tyfernus und Peutingers 2° Cod. H 24 443
- Tab. 12.11: Inschriften bei Apianus/Amantius im Vergleich mit dem CP XIII G 14 475
- Tab. 12.12: „Antiquus-Austriacus-Inschriften“ bei Peutinger, Choler, CP XIII G 14/Fuchsmagen und Apianus/Amantius 490
- Abkürzungs- und Siglenverzeichnis 503
- Quellen- und Literaturverzeichnis 508
- Abbildungsnachweis 539
- Indices 542
- Inschriftenindex 542
- Orts- und Personenindex 548