Page - 119 - in Der sogenannte Antiquus Austriacus und weitere auctores antiquissimi - Zur ältesten Überlieferung römerzeitlicher Inschriften im österreichischen Raum
Image of the Page - 119 -
Text of the Page - 119 -
Augustinus Prygl Tyfernus | 119
Chronik Ottos von Freising (CVP 3334) ebenso wie CVP 3335, 3408, 3415, 3416 und
3506 über Cuspinianus an Fabri.513 Der Verdacht, dass auch der Weg des CVP 3528
über Fuchsmagen und Cuspinianus zu Fabri führt, liegt demnach sehr nahe.514
Sollte Fuchsmagen tatsächlich in die Genese bzw. frühe Geschichte beider Abschrif-
ten der Tyfernus-Sammlung (CVP 3492+3540 sowie 3528) involviert gewesen sein,
müssten diese zwischen 27. Februar 1507 (Datierung des Vorworts) und 3. Mai 1510
(Fuchsmagens Tod) verfasst oder zumindest beauftragt worden sein. Diese Eingren-
zung des Entstehungszeitraumes stößt auch aus kodikologischer Sicht auf keinerlei
Schwierigkeiten. Es sind sogar in zwei Briefen Fuchsmagens an den Kremsmünsterer
Abt Schreiner aus den Jahren 1507 und 1508 dieselben Varianten derselben Wasser-
zeichenmotive festzustellen wie im CVP 3528.515 Ähnliche Beobachtungen können bei
der Tyfernus-Abschrift CVP 3492+3540 und dem Innsbrucker „Fuchsmagencodex“
(Cod. 664) gemacht werden. Die Motivvarianten sind überwiegend dieselben, treten
aber in teilweise leicht abweichenden Größen bzw. Bindedrahtabständen auf. In
einem Fall freilich steht Cod. 664 (fol. 5) dem CVP 3492 (fol. 23/24, 31/34) hinsichtlich
aller Merkmale und Maße wesentlich näher als die bei Piccard und Briquet zu
findenden Entsprechungen516, doch kann diesen Beobachtungen mangels exakter
Kongruenz von Wasserzeichenpaaren keine (ausreichende) Beweiskraft attestiert
werden.
Fazit:
Klare und eindeutige Beweise dafür, dass Johannes Fuchsmagen die Codices
3492+3540 und/oder 3528 anfertigen ließ respektive sie in seiner Bibliothek aufbe-
wahrte, existieren also nicht. Die Situation stellt sich aber augenblicklich so dar, dass
sehr wohl einige Indizien dafür sprechen, nichts jedoch dagegen. Aus diesem Grund
erscheint es legitim, die These, dass Johannes Fuchsmagen mit den Abschriften der
513 Vgl. Unterkircher, Datierte Handschriften der ÖNB III 1, 73 und Kap. 4.4 (zu CVP 3334) sowie die
Provenienzangaben der einzelnen Handschriften bei Simader, Bücher aus der mittelalterl. Univ.
Wien (nur online zugänglich unter URL http://www.onb.ac.at/sammlungen/hschrift/kataloge/
universitaet/Register.htm; abgerufen am 31.08.2015) sowie im digitalen Hauptkatalog der ÖNB,
der bestandsübergreifend auch alle Handschriften erschließt (URL: http://www.onb.ac.at/
kataloge/index.htm; abgerufen am 31.08.2015).
514 Bereits Uiblein, Altertumsforschung 62, Anm. 134, vermutete eine Herkunft des CVP 3528 aus der
Cuspinianus-Bibliothek, ohne die äußerst schwer sichtbare Signatur bemerkt zu haben. Auf seine
Überlegungen bezieht sich auch Simoniti, Sloven. Humanismus 126, wenn er es knapp formuliert
„sogar für möglich“ hält, „dass einige der Wiener Handschriften Fuchsmagens Eigentum waren
oder in seinem Auftrag kopiert wurden“.
515 Stiftsarchiv Kremsmünster (Sig.: 105.I.p): Brief Nr. 3 aus Wels (Oktober? 1507, Wasserzeichen
Waage im Doppelkreis mit Beizeichen Vogel), sowie aus Nr. 7 aus Innsbruck (13. Jänner 1508,
Wasserzeichen Anker im Kreis mit sechszackigem Stern als Beizeichen). Die nicht sehr häufigen
Wasserzeichen Waage mit Vogel weisen im Brief und im CVP 3528 in Hinblick auf Größenmaße
und Bindedrahtabstände geringe Abweichungen auf, finden aber beide (!) in Schriftstücken der
kaiserlichen Kanzlei aus dem Jahr 1506 (Haus-, Hof- und Staatsarchiv Wien, Maximiliana 10b) eine
Entsprechung; vgl. Piccard-Online 117442 und 117449.
516 Am ehesten Piccard-Online 117310, belegt für Baden 1517; vgl. die Online-Beschreibung des Cod.
664 der ULBT mit Abb. der Wasserzeichen (persistente URL): http://manuscripta.at/?ID=31353.
Der sogenannte Antiquus Austriacus und weitere auctores antiquissimi
Zur ältesten Überlieferung römerzeitlicher Inschriften im österreichischen Raum
- Title
- Der sogenannte Antiquus Austriacus und weitere auctores antiquissimi
- Subtitle
- Zur ältesten Überlieferung römerzeitlicher Inschriften im österreichischen Raum
- Author
- Doris Marth
- Publisher
- Holzhausen Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2016
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-902976-43-7
- Size
- 21.4 x 30.2 cm
- Pages
- 572
- Keywords
- Antiquus Austriacus, Austria, Epigraphy, Humanism, Inscriptions, Manuscript Tradition, Roman Period, Antiquus Austriacus, Epigraphik, Humanismus, Inschriften, Österreich, Römerzeit, Überlieferung
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen
Table of contents
- 1 Zur historischen Entwicklung der Überlieferung lateinischer, insbesondere norischer Inschriften von den Anfängen bis zum Ende des 14. Jahrhunderts 19
- 1.1 Anfänge und Vorstufen der Überlieferung lateinischer Inschriften 19
- 1.2 Anfänge und Vorstufen der Überlieferung norischer Inschriften 23
- 1.3 Berchtold von Kremsmünster und die älteste Abschrift einer norischen Inschrift 26
- 1.4 Die Inschrift CIL III 5630 im Codex membraneus LIV des Stiftes Lambach 36
- 2 Neue Impulse aus Italien: Humanismus und Renaissance als „Geburtsphase“ der lateinischen Epigraphik 40
- 3 Die Ausbreitung und Etablierung humanistischen Gedankengutes im Ostalpenraum aus epigraphischer Sicht 56
- 4 Augustinus Prygl Tyfernus und die norischen Inschriften 99
- 5 Der sogenannte Antiquus Austriacus: Mommsens Pseudonym für den Verfasser der ältesten Sammlung norischer Inschriften 139
- 6 Die Wiener Handschrift CVP 3255* 147
- 7 Der Codex Pragensis XIII G 14 der Národní Knihovna, Prag 162
- 7.1 Das Verhältnis zwischen CP XIII G 14 und CVP 3255*: Eine Inschriftensammlung und ihr Register 170
- 7.2 Folgen aus dem Zusammenhang CVP 3255* – CP XIII G 14 174
- 7.3 Johannes Fuchsmagen und der CP XIII G 14 182
- 7.4 Zur Frage nach den Quellen für den CP XIII G 14 198
- 7.5 Codex Pragensis XIII G 14: Zusammenfassung der bisherigen Ergebnisse und Gesamtbetrachtung 221
- 8 Konrad Peutinger und die norischen Inschriften 228
- 8.1 Peutingers handschriftliche Inschriftensammlungen 230
- 8.2 Johannes Fuchsmagen als Peutingers Gewährsmann 244
- 8.3 Die „Antiquus-Austriacus-Inschriften“ und die Inschriften von Augustinus Prygl Tyfernus in Peutingers 2° Cod. H 24 246
- 8.4 Zusammenfassung: Der Wert von Peutingers Handschriften für die Überlieferung norischer Inschriften 264
- 9 Johannes Choler und seine Inschriftensammlung 265
- 10 Die „Inscriptiones Sacrosanctae Vetustatis“ von Petrus Apianus und Bartholomaeus Amantius 295
- 10.1 Zur Intention und Gliederung des Werkes sowie zur Nennung seiner Quellen 300
- 10.2 Johannes Choler und die Inscriptiones sacrosanctae vetustatis 301
- 10.3 Die Inschriftensammlungen von Konrad Peutinger und Augustinus Prygl Tyfernus – Quelle für die Inscriptiones sacrosanctae vetustatis? 302
- 10.4 Johannes Aventinus als Quelle für die Inscriptiones sacrosanctae vetustatis 304
- 10.5 Der Codex Pragensis XIII G 14 und sein Verhältnis zu den Inscriptiones sacrosanctae vetustatis 305
- 10.5.1 Das Verzeichnis epigraphischer Abkürzungen im CP XIII G 14 und bei Apianus/Amantius 307
- 10.5.2 Der CP XIII G 14 als Quelle für norische (und oberpannonische) Inschriften bei Apianus/Amantius 311
- 10.5.3 Konsequenzen aus dem unmittelbaren Zusammenhang zwischen dem CP XIII G 14 und den Inscriptiones sacrosanctae vetustatis 330
- 10.6 Parallel verwendete Quellen und mehrfach überlieferte Inschriften bei Apianus/Amantius 337
- 10.7 Zusammenfassende Betrachtungen zur Arbeitsweise von Apianus/ Amantius und Gesamtbewertung der Inscriptiones sacrosanctae vetustatis 345
- 11 Johannes Fuchsmagen und seine epigraphische Sammeltätigkeit 347
- 12 Anhang: Tabellen zur Überlieferung norischer und oberpannonischer Inschriften 376
- Einleitende Bemerkungen und Hinweise zur Benützung 376
- Tab. 12.1: Inschriften bei Paolo Santonino, Cod. Vat. Lat. 3795 379
- Tab. 12.2: Inschriften, die von Augustinus Tyfernus und vom sogenannten Antiquus Austriacus überliefert werden 380
- Tab. 12.3: Im CVP 3255* und CP XIII G 14 enthaltene Inschriften 386
- Tab. 12.4: Inschriften in den Codices von Augustinus Tyfernus im Vergleich mit dem CP XIII G 14 395
- Tab. 12.5: Inschriften-Erstbelege bei „Antiquus Austriacus“, Augustinus Tyfernus und im CP XIII G 14 415
- Tab. 12.6: Inschriften im 4° Cod. H 26 der SuStBA („Picturae“) im Vergleich mit dem CP XIII G 14 425
- Tab. 12.7: Inschriften in Peutingers 2° Cod. H 23 im Vergleich mit dem CP XIII G 14 427
- Tab. 12.8: Inschriften in Peutingers 2° Cod. H 24 im Vergleich mit dem CP XIII G 14 428
- Tab. 12.9: Inschriften in Cholers CLM 394 im Vergleich mit Peutingers 2° Cod. H 24 und CP XIII G 14 437
- Tab. 12.10: Inschriften bei Apianus/Amantius im Vergleich mit Augustinus Tyfernus und Peutingers 2° Cod. H 24 443
- Tab. 12.11: Inschriften bei Apianus/Amantius im Vergleich mit dem CP XIII G 14 475
- Tab. 12.12: „Antiquus-Austriacus-Inschriften“ bei Peutinger, Choler, CP XIII G 14/Fuchsmagen und Apianus/Amantius 490
- Abkürzungs- und Siglenverzeichnis 503
- Quellen- und Literaturverzeichnis 508
- Abbildungsnachweis 539
- Indices 542
- Inschriftenindex 542
- Orts- und Personenindex 548