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Konrad Peutinger | 259
letztgenannte Inschrift auch bei Peutinger mit einer ähnlichen Ortsangabe
(„Lavantii“) zu finden ist, allerdings etwas weiter vorne stehend.1142
Im Fall der Inschrift CIL III 5631 verhält es sich umgekehrt. Hier bietet der Prager
Codex die richtige Ortsangabe „Ibidem (sc. in Wels) in muro Ecclesiae parrochialis“1143,
während Peutinger diese und die folgende Inschrift CIL III 5629 nach Linz setzt.1144
Bei fünf „Antiquus-Austriacus-Inschriften“ hat Peutinger sehr vage Ortsangaben,
während die Prager Handschrift – wie das Werk von Apianus/Amantius – recht
genaue Nennungen der Verwahrorte enthält.1145 Dies betrifft zunächst die vielfach
diskutierte und noch immer nicht eindeutig geklärte Lokalisierung der Inschrift
CIL III 5620, den einzigen Beleg für die norische Zollstation „Esc(...)“. Der Prager
Codex bietet hiefür jene Ortsangabe, die bisher nur aus den Inscriptiones von
Apianus/Amantius bekannt gewesen ist: „In villa Ischel super valvam ecclesiae non longe
a S. Bolfgango in Bavaria qui miraculis claret“.1146 Sie gilt auch explizit für den folgen-
den, heute noch im oberösterreichischen Bad Ischl befindlichen Stein CIL III 5621: „In
Turri Ecclesiae eiusdem villae (sc. Ischel) [...]“.1147 Peutingers Lokalisierung lautet
schlicht „In Styria“ für CIL III 5620 bzw. „ibidem“ für CIL III 5621.1148 Die Inschriften
werden also – mit unterschiedlicher Ortsangabe – in beiden Codices gemeinsam
überliefert. Gerade dieser Umstand macht die Zuweisung von CIL III 5620 zum
oberösterreichischen (Bad) Ischl – alternativ zum gleichnamigen Ortsteil der bayeri-
schen Gemeinde Seeon-Seebruck – abermals wahrscheinlicher.1149 Über die Ursache,
wie diese divergierenden Angaben zustande gekommen sind, kann derzeit nur
spekuliert werden, da sich auch ein Blick auf die voran- und nachstehenden Denk-
mäler bei Peutinger als wenig hilfreich erweist.1150
Auch bei drei weiteren norischen Inschriften hat Peutinger eine nur sehr ungenaue
Ortsangabe: CIL III 5637, 5636 und 5639 (in dieser Reihenfolge) tragen lediglich die
1142 SuStBA, 2° Cod. H 24, fol. 57ra,5.
1143 CP XIII G 14, fol. 204v,2. Heute befindet sich der Stein im Stadtmuseum Wels.
1144 SuStBA, 2° Cod. H 24, fol. 55vb,7–56ra,1. Zu den zahlreichen Belegen von CIL III 5631, auch bei
anderen auctores antiquissimi, siehe Kap. 11.2.
1145 In Cholers Handschrift CLM 394 sind diese Inschriften nicht enthalten.
1146 CP XIII G 14, fol. 200r,2.
1147 CP XIII G 14, fol. 200v.
1148 SuStBA, 2° Cod. H 24, fol. 61rb,6–7.
1149 Vgl. zuletzt Ekkehard Weber, Wieder einmal: die statio Esc-, in: Regula Frei-Stolba, Alexander
Michael Speidel (Hrsg.), Römische Inschriften – Neufunde, Neulesungen und Neuinterpretationen. Fest-
schrift für Hans Lieb (Arbeiten zur römischen Epigraphik und Altertumskunde 2), Basel 1995, 171–
178; mit ergänzenden Bemerkungen von Gerhard Winkler auch erschienen in: JOÖMV 141 (1996)
179–186.
1150 Bei der Untersuchung der Augustinus-Tyfernus-Inschriften hatte sich gezeigt, dass Peutinger die
Inhalte seiner Quelle ohne Änderung der Reihenfolge in seine Sammlung aufgenommen hat. Auf
fol. 61 seiner Handschrift, das CIL III 5620 und 5621 enthält, ist zu beobachten, dass die Ortsan-
gaben der Inschriften förmlich „springen“: Auf italienische Denkmäler folgen welche aus den
heutigen Städten Salzburg, Celje, Graz, Ljubljana, Eichstätt und aus dem Kloster Seeon, ehe die
beiden relevanten Inschriften angeführt werden, gefolgt von der Umschrift einer byzantinischen
Münze und Denkmälern aus Italien und Dalmatien, die schon länger in Humanistenkreisen
kursiert sein dürften. Choler überliefert die beiden Ischler Inschriften in seinem CLM 394 nicht.
Der sogenannte Antiquus Austriacus und weitere auctores antiquissimi
Zur ältesten Überlieferung römerzeitlicher Inschriften im österreichischen Raum
- Title
- Der sogenannte Antiquus Austriacus und weitere auctores antiquissimi
- Subtitle
- Zur ältesten Überlieferung römerzeitlicher Inschriften im österreichischen Raum
- Author
- Doris Marth
- Publisher
- Holzhausen Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2016
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-902976-43-7
- Size
- 21.4 x 30.2 cm
- Pages
- 572
- Keywords
- Antiquus Austriacus, Austria, Epigraphy, Humanism, Inscriptions, Manuscript Tradition, Roman Period, Antiquus Austriacus, Epigraphik, Humanismus, Inschriften, Österreich, Römerzeit, Überlieferung
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen
Table of contents
- 1 Zur historischen Entwicklung der Überlieferung lateinischer, insbesondere norischer Inschriften von den Anfängen bis zum Ende des 14. Jahrhunderts 19
- 1.1 Anfänge und Vorstufen der Überlieferung lateinischer Inschriften 19
- 1.2 Anfänge und Vorstufen der Überlieferung norischer Inschriften 23
- 1.3 Berchtold von Kremsmünster und die älteste Abschrift einer norischen Inschrift 26
- 1.4 Die Inschrift CIL III 5630 im Codex membraneus LIV des Stiftes Lambach 36
- 2 Neue Impulse aus Italien: Humanismus und Renaissance als „Geburtsphase“ der lateinischen Epigraphik 40
- 3 Die Ausbreitung und Etablierung humanistischen Gedankengutes im Ostalpenraum aus epigraphischer Sicht 56
- 4 Augustinus Prygl Tyfernus und die norischen Inschriften 99
- 5 Der sogenannte Antiquus Austriacus: Mommsens Pseudonym für den Verfasser der ältesten Sammlung norischer Inschriften 139
- 6 Die Wiener Handschrift CVP 3255* 147
- 7 Der Codex Pragensis XIII G 14 der Národní Knihovna, Prag 162
- 7.1 Das Verhältnis zwischen CP XIII G 14 und CVP 3255*: Eine Inschriftensammlung und ihr Register 170
- 7.2 Folgen aus dem Zusammenhang CVP 3255* – CP XIII G 14 174
- 7.3 Johannes Fuchsmagen und der CP XIII G 14 182
- 7.4 Zur Frage nach den Quellen für den CP XIII G 14 198
- 7.5 Codex Pragensis XIII G 14: Zusammenfassung der bisherigen Ergebnisse und Gesamtbetrachtung 221
- 8 Konrad Peutinger und die norischen Inschriften 228
- 8.1 Peutingers handschriftliche Inschriftensammlungen 230
- 8.2 Johannes Fuchsmagen als Peutingers Gewährsmann 244
- 8.3 Die „Antiquus-Austriacus-Inschriften“ und die Inschriften von Augustinus Prygl Tyfernus in Peutingers 2° Cod. H 24 246
- 8.4 Zusammenfassung: Der Wert von Peutingers Handschriften für die Überlieferung norischer Inschriften 264
- 9 Johannes Choler und seine Inschriftensammlung 265
- 10 Die „Inscriptiones Sacrosanctae Vetustatis“ von Petrus Apianus und Bartholomaeus Amantius 295
- 10.1 Zur Intention und Gliederung des Werkes sowie zur Nennung seiner Quellen 300
- 10.2 Johannes Choler und die Inscriptiones sacrosanctae vetustatis 301
- 10.3 Die Inschriftensammlungen von Konrad Peutinger und Augustinus Prygl Tyfernus – Quelle für die Inscriptiones sacrosanctae vetustatis? 302
- 10.4 Johannes Aventinus als Quelle für die Inscriptiones sacrosanctae vetustatis 304
- 10.5 Der Codex Pragensis XIII G 14 und sein Verhältnis zu den Inscriptiones sacrosanctae vetustatis 305
- 10.5.1 Das Verzeichnis epigraphischer Abkürzungen im CP XIII G 14 und bei Apianus/Amantius 307
- 10.5.2 Der CP XIII G 14 als Quelle für norische (und oberpannonische) Inschriften bei Apianus/Amantius 311
- 10.5.3 Konsequenzen aus dem unmittelbaren Zusammenhang zwischen dem CP XIII G 14 und den Inscriptiones sacrosanctae vetustatis 330
- 10.6 Parallel verwendete Quellen und mehrfach überlieferte Inschriften bei Apianus/Amantius 337
- 10.7 Zusammenfassende Betrachtungen zur Arbeitsweise von Apianus/ Amantius und Gesamtbewertung der Inscriptiones sacrosanctae vetustatis 345
- 11 Johannes Fuchsmagen und seine epigraphische Sammeltätigkeit 347
- 12 Anhang: Tabellen zur Überlieferung norischer und oberpannonischer Inschriften 376
- Einleitende Bemerkungen und Hinweise zur Benützung 376
- Tab. 12.1: Inschriften bei Paolo Santonino, Cod. Vat. Lat. 3795 379
- Tab. 12.2: Inschriften, die von Augustinus Tyfernus und vom sogenannten Antiquus Austriacus überliefert werden 380
- Tab. 12.3: Im CVP 3255* und CP XIII G 14 enthaltene Inschriften 386
- Tab. 12.4: Inschriften in den Codices von Augustinus Tyfernus im Vergleich mit dem CP XIII G 14 395
- Tab. 12.5: Inschriften-Erstbelege bei „Antiquus Austriacus“, Augustinus Tyfernus und im CP XIII G 14 415
- Tab. 12.6: Inschriften im 4° Cod. H 26 der SuStBA („Picturae“) im Vergleich mit dem CP XIII G 14 425
- Tab. 12.7: Inschriften in Peutingers 2° Cod. H 23 im Vergleich mit dem CP XIII G 14 427
- Tab. 12.8: Inschriften in Peutingers 2° Cod. H 24 im Vergleich mit dem CP XIII G 14 428
- Tab. 12.9: Inschriften in Cholers CLM 394 im Vergleich mit Peutingers 2° Cod. H 24 und CP XIII G 14 437
- Tab. 12.10: Inschriften bei Apianus/Amantius im Vergleich mit Augustinus Tyfernus und Peutingers 2° Cod. H 24 443
- Tab. 12.11: Inschriften bei Apianus/Amantius im Vergleich mit dem CP XIII G 14 475
- Tab. 12.12: „Antiquus-Austriacus-Inschriften“ bei Peutinger, Choler, CP XIII G 14/Fuchsmagen und Apianus/Amantius 490
- Abkürzungs- und Siglenverzeichnis 503
- Quellen- und Literaturverzeichnis 508
- Abbildungsnachweis 539
- Indices 542
- Inschriftenindex 542
- Orts- und Personenindex 548