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344 | Petrus Apianus / Bartholomaeus Amantius
An dieser Stelle sei nun auch erinnert an die Hinweise auf Aventinus innerhalb des
Werkes von Apianus/Amantius. Dass dieser Mann für die Antiquitates superioris ac
inferioris Boiariae ausdrücklich als Quelle genannt wird, wurde bereits erwähnt.1544
Ebenso wurde festgehalten, dass sich darunter die Inschrift CIL III 5671 befindet mit
ihrer fehlerhaften Ortsangabe „Passau“. Diese wurde von den Herausgebern aller-
dings nicht aus Werken von Aventinus übernommen, sondern – wie sich gezeigt
hat – aus dem CP XIII G 14. Die parallele Verwendung dieser Quellen führte auch
dazu, dass die Inschriften CIL III 5595, 5596 und 5598 bei Apianus/Amantius zwei-
fach aufscheinen. Dies fiel den Herausgebern nicht auf, obwohl die drei Inschriften
jeweils in derselben Reihenfolge und mit durchaus ähnlichen Ortsangaben aufge-
nommen wurden. Sie finden sich nämlich in den Inscriptiones im selben geographi-
schen Kontext wie in ihrer jeweiligen Quelle: Zunächst unter den Salzburger In-
schriften wie im Prager Codex (S. 413), dann unter den bayerischen Inschriften,
basierend auf Aventinus (S. 447).
An anderer Stelle sind jedoch klare Hinweise auf eine (versuchte) kritische Aus-
einandersetzung mit diesen beiden Quellen gegeben. Es handelt sich dabei um jene
vier Inschriften, die im Text Bemerkungen wie „Aventinus legit“ enthalten und somit
die Verwendung einer zweiten Quelle neben Aventinus offenbaren.1545 Während
Apianus/Amantius bei CIL III 5554 und 5533 auch die geringfügig abweichende
Textvariante des Prager Codex in ihr Druckwerk mit aufnahmen1546, hielten sie sich
bei CIL III 5542 und 5532 nur an Aventinus – man ist geneigt, hier „leider“ hinzuzu-
fügen, denn die Pergamenthandschrift bietet an diesen Stellen den besseren Text.
Möglicherweise war für diese Vorgangsweise das enge persönliche Band zwischen
Apianus und Aventinus mit ausschlaggebend, das Aventinus sogar zur finanziellen
Unterstützung seines Freundes veranlasst hatte.1547
noch jener aus Süddeutschland ähnelt, sondern eher anderen zeitgenössischen Holzschnitten, die
mit Dürer nichts zu tun haben. Die bei Apianus/Amantius vielfach kritisierten Ungenauigkeiten
mussten daher geradezu so ausfallen, weil nicht das Original für den Holzschnitt des Jünglings
Pate stand, sondern eine andere Vorlage. Doch steckte gewiss keine böse Absicht hinter dieser
Form der Darstellung; man hielt diese Vorgangsweise vielmehr für berechtigt, da man eine ge-
wisse Ähnlichkeit zwischen den beiden Figuren zu erkennen glaubte und der Jüngling zu jener
Zeit ebenfalls für eine Merkurfigur gehalten wurde.
1544 Vgl. Kap. 10.4.
1545 CIL III 5554, 5533, 5542 und 5532; vgl. Kap. 10.4.
1546 Inscriptiones 408,2 bzw. S. 409,3.
1547 Wie Aventinus selbst in seinem Tagebuch vermerkt hatte, musste er seinem Freund Apianus
jeweils nach einem Aufenthalt in seinem Haus in Abensberg am 14. Juli 1525 sowie am 1. Juli 1527
24 bzw. 20 Gulden mit auf den Weg geben. Siehe Günther, Peter und Philipp Apian 10, sowie
Gruber, Philipp Apian 4. Nach Prantl, Geschichte der LMU 210, geriet Apianus trotz seiner unge-
wöhnlich gut besoldeten Stellung an der Universität Ingolstadt durch seine zahlreichen
literarischen Publikationen stets in neue Geldnot.
Der sogenannte Antiquus Austriacus und weitere auctores antiquissimi
Zur ältesten Überlieferung römerzeitlicher Inschriften im österreichischen Raum
- Title
- Der sogenannte Antiquus Austriacus und weitere auctores antiquissimi
- Subtitle
- Zur ältesten Überlieferung römerzeitlicher Inschriften im österreichischen Raum
- Author
- Doris Marth
- Publisher
- Holzhausen Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2016
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-902976-43-7
- Size
- 21.4 x 30.2 cm
- Pages
- 572
- Keywords
- Antiquus Austriacus, Austria, Epigraphy, Humanism, Inscriptions, Manuscript Tradition, Roman Period, Antiquus Austriacus, Epigraphik, Humanismus, Inschriften, Österreich, Römerzeit, Überlieferung
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen
Table of contents
- 1 Zur historischen Entwicklung der Überlieferung lateinischer, insbesondere norischer Inschriften von den Anfängen bis zum Ende des 14. Jahrhunderts 19
- 1.1 Anfänge und Vorstufen der Überlieferung lateinischer Inschriften 19
- 1.2 Anfänge und Vorstufen der Überlieferung norischer Inschriften 23
- 1.3 Berchtold von Kremsmünster und die älteste Abschrift einer norischen Inschrift 26
- 1.4 Die Inschrift CIL III 5630 im Codex membraneus LIV des Stiftes Lambach 36
- 2 Neue Impulse aus Italien: Humanismus und Renaissance als „Geburtsphase“ der lateinischen Epigraphik 40
- 3 Die Ausbreitung und Etablierung humanistischen Gedankengutes im Ostalpenraum aus epigraphischer Sicht 56
- 4 Augustinus Prygl Tyfernus und die norischen Inschriften 99
- 5 Der sogenannte Antiquus Austriacus: Mommsens Pseudonym für den Verfasser der ältesten Sammlung norischer Inschriften 139
- 6 Die Wiener Handschrift CVP 3255* 147
- 7 Der Codex Pragensis XIII G 14 der Národní Knihovna, Prag 162
- 7.1 Das Verhältnis zwischen CP XIII G 14 und CVP 3255*: Eine Inschriftensammlung und ihr Register 170
- 7.2 Folgen aus dem Zusammenhang CVP 3255* – CP XIII G 14 174
- 7.3 Johannes Fuchsmagen und der CP XIII G 14 182
- 7.4 Zur Frage nach den Quellen für den CP XIII G 14 198
- 7.5 Codex Pragensis XIII G 14: Zusammenfassung der bisherigen Ergebnisse und Gesamtbetrachtung 221
- 8 Konrad Peutinger und die norischen Inschriften 228
- 8.1 Peutingers handschriftliche Inschriftensammlungen 230
- 8.2 Johannes Fuchsmagen als Peutingers Gewährsmann 244
- 8.3 Die „Antiquus-Austriacus-Inschriften“ und die Inschriften von Augustinus Prygl Tyfernus in Peutingers 2° Cod. H 24 246
- 8.4 Zusammenfassung: Der Wert von Peutingers Handschriften für die Überlieferung norischer Inschriften 264
- 9 Johannes Choler und seine Inschriftensammlung 265
- 10 Die „Inscriptiones Sacrosanctae Vetustatis“ von Petrus Apianus und Bartholomaeus Amantius 295
- 10.1 Zur Intention und Gliederung des Werkes sowie zur Nennung seiner Quellen 300
- 10.2 Johannes Choler und die Inscriptiones sacrosanctae vetustatis 301
- 10.3 Die Inschriftensammlungen von Konrad Peutinger und Augustinus Prygl Tyfernus – Quelle für die Inscriptiones sacrosanctae vetustatis? 302
- 10.4 Johannes Aventinus als Quelle für die Inscriptiones sacrosanctae vetustatis 304
- 10.5 Der Codex Pragensis XIII G 14 und sein Verhältnis zu den Inscriptiones sacrosanctae vetustatis 305
- 10.5.1 Das Verzeichnis epigraphischer Abkürzungen im CP XIII G 14 und bei Apianus/Amantius 307
- 10.5.2 Der CP XIII G 14 als Quelle für norische (und oberpannonische) Inschriften bei Apianus/Amantius 311
- 10.5.3 Konsequenzen aus dem unmittelbaren Zusammenhang zwischen dem CP XIII G 14 und den Inscriptiones sacrosanctae vetustatis 330
- 10.6 Parallel verwendete Quellen und mehrfach überlieferte Inschriften bei Apianus/Amantius 337
- 10.7 Zusammenfassende Betrachtungen zur Arbeitsweise von Apianus/ Amantius und Gesamtbewertung der Inscriptiones sacrosanctae vetustatis 345
- 11 Johannes Fuchsmagen und seine epigraphische Sammeltätigkeit 347
- 12 Anhang: Tabellen zur Überlieferung norischer und oberpannonischer Inschriften 376
- Einleitende Bemerkungen und Hinweise zur Benützung 376
- Tab. 12.1: Inschriften bei Paolo Santonino, Cod. Vat. Lat. 3795 379
- Tab. 12.2: Inschriften, die von Augustinus Tyfernus und vom sogenannten Antiquus Austriacus überliefert werden 380
- Tab. 12.3: Im CVP 3255* und CP XIII G 14 enthaltene Inschriften 386
- Tab. 12.4: Inschriften in den Codices von Augustinus Tyfernus im Vergleich mit dem CP XIII G 14 395
- Tab. 12.5: Inschriften-Erstbelege bei „Antiquus Austriacus“, Augustinus Tyfernus und im CP XIII G 14 415
- Tab. 12.6: Inschriften im 4° Cod. H 26 der SuStBA („Picturae“) im Vergleich mit dem CP XIII G 14 425
- Tab. 12.7: Inschriften in Peutingers 2° Cod. H 23 im Vergleich mit dem CP XIII G 14 427
- Tab. 12.8: Inschriften in Peutingers 2° Cod. H 24 im Vergleich mit dem CP XIII G 14 428
- Tab. 12.9: Inschriften in Cholers CLM 394 im Vergleich mit Peutingers 2° Cod. H 24 und CP XIII G 14 437
- Tab. 12.10: Inschriften bei Apianus/Amantius im Vergleich mit Augustinus Tyfernus und Peutingers 2° Cod. H 24 443
- Tab. 12.11: Inschriften bei Apianus/Amantius im Vergleich mit dem CP XIII G 14 475
- Tab. 12.12: „Antiquus-Austriacus-Inschriften“ bei Peutinger, Choler, CP XIII G 14/Fuchsmagen und Apianus/Amantius 490
- Abkürzungs- und Siglenverzeichnis 503
- Quellen- und Literaturverzeichnis 508
- Abbildungsnachweis 539
- Indices 542
- Inschriftenindex 542
- Orts- und Personenindex 548