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Codex Pragensis XIII G 14 | 203
dass Fuchsmagen diese Inschriften von einer seiner häufigen Reisen nach Tirol mit-
gebracht hat und diese (über einen unkundigen Mittelsmann?) an Tyfernus gelang-
ten, begegnet keiner Schwierigkeit – im Gegenteil: Als einer der engsten Ratgeber des
Kaisers hielt er sich – auch mit ihm gemeinsam – oft in den beiden Handelsstädten
auf.871 Eine Gedenkinschrift am Südportal der Pfarrkirche von Sterzing erinnert zu-
dem noch heute an die Grundsteinlegung zum Langhaus durch Maximilian I. per-
sönlich im Jahre 1497 – bei deren Vorarbeiten im selben Jahr der Grabstein gefunden
worden war!872
Zusammenfassend lässt sich festhalten: Die Sammlung von Augustinus Prygl Tyfer-
nus und der auf Johannes Fuchsmagen zurückgehende Prager Codex ergänzen ein-
ander hinsichtlich der Inschriften aus den Provinzen Noricum und Pannonia Superior
in auffallender Weise. Einzelne Berührungspunkte bei den wenigen gemeinsam
überlieferten Denkmälern sind dennoch in Betracht zu ziehen.
7.4.2 Das Verhältnis des CP XIII G 14 zur Sammlung des sogenannten Antiquus
Austriacus und deren Erweiterung
Ganz besonders interessante Fragestellungen ergeben sich im Zusammenhang mit
jenen Inschriften, deren erste Abschriften auf den von Mommsen als „Antiquus
Austriacus“ bezeichneten Sammler zurückgehen sollen. Nach Ladislav Vidman hängt
der Prager Codex bei den Inschriften der Provinzen Noricum und Pannonia einerseits
vom sogenannten Antiquus Austriacus ab, andererseits von einer zweiten Sammlung,
die zum Teil dieselben, zum Teil weitere Inschriften enthält.873 Damit erklärt er auch
die Duplikate in der Handschrift. Vidman räumt ferner ein, dass die exakte Grenz-
ziehung zwischen diesen Sammlungen nicht immer möglich ist, weil „irgendwo auf
derselben Seite der Handschrift“ aus beiden geschöpft worden sei. Den konkreten
Beleg für diese Aussage bleibt er schuldig. Lediglich bei den Inschriften aus Poetovio
meint er zwischen den beiden Quellsammlungen genau differenzieren zu können
und erklärt, die zweite Sammlung liege sicher an jener Stelle vor, die von Hand II
(fol. 222 ff.) hinzugeschrieben worden sei.874
Diese Aussagen verlangen nach einer Überprüfung und Konfrontation mit den
Ergebnissen der vorliegenden Arbeit: Im Zusammenhang mit der Untersuchung des
Registers im CVP 3255* wurde bereits erwähnt, dass darin alle „Antiquus-Austriacus-
Inschriften“ vorkommen.875 Da das Register nachweislich auf dem Prager Codex
beruht, muss dieser auch alle Inschriften enthalten, die Mommsen dem sogenannten
871 In Sterzing wurde 1502 einer von vier Landtagen unter dem Vorsitz von Maximilian I. abgehalten.
Die Welser Burg wiederum zählte zu den zahlreichen Wohnsitzen des Kaisers (wo er am
12. Jänner 1519 verstarb).
872 Der Stein befindet sich heute im Kircheninneren an der nördlichen Langhausseite.
873 Vidman, Epigrafický Rukopis Pražský 71, mit Bezug auf CIL III, S. 477, Kap. III.
874 Vidman, Epigrafický Rukopis Pražský 71.
875 Vgl. Kap. 6.2.
Der sogenannte Antiquus Austriacus und weitere auctores antiquissimi
Zur ältesten Überlieferung römerzeitlicher Inschriften im österreichischen Raum
- Titel
- Der sogenannte Antiquus Austriacus und weitere auctores antiquissimi
- Untertitel
- Zur ältesten Überlieferung römerzeitlicher Inschriften im österreichischen Raum
- Autor
- Doris Marth
- Verlag
- Holzhausen Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2016
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-902976-43-7
- Abmessungen
- 21.4 x 30.2 cm
- Seiten
- 572
- Schlagwörter
- Antiquus Austriacus, Austria, Epigraphy, Humanism, Inscriptions, Manuscript Tradition, Roman Period, Antiquus Austriacus, Epigraphik, Humanismus, Inschriften, Österreich, Römerzeit, Überlieferung
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen
Inhaltsverzeichnis
- 1 Zur historischen Entwicklung der Überlieferung lateinischer, insbesondere norischer Inschriften von den Anfängen bis zum Ende des 14. Jahrhunderts 19
- 1.1 Anfänge und Vorstufen der Überlieferung lateinischer Inschriften 19
- 1.2 Anfänge und Vorstufen der Überlieferung norischer Inschriften 23
- 1.3 Berchtold von Kremsmünster und die älteste Abschrift einer norischen Inschrift 26
- 1.4 Die Inschrift CIL III 5630 im Codex membraneus LIV des Stiftes Lambach 36
- 2 Neue Impulse aus Italien: Humanismus und Renaissance als „Geburtsphase“ der lateinischen Epigraphik 40
- 3 Die Ausbreitung und Etablierung humanistischen Gedankengutes im Ostalpenraum aus epigraphischer Sicht 56
- 4 Augustinus Prygl Tyfernus und die norischen Inschriften 99
- 5 Der sogenannte Antiquus Austriacus: Mommsens Pseudonym für den Verfasser der ältesten Sammlung norischer Inschriften 139
- 6 Die Wiener Handschrift CVP 3255* 147
- 7 Der Codex Pragensis XIII G 14 der Národní Knihovna, Prag 162
- 7.1 Das Verhältnis zwischen CP XIII G 14 und CVP 3255*: Eine Inschriftensammlung und ihr Register 170
- 7.2 Folgen aus dem Zusammenhang CVP 3255* – CP XIII G 14 174
- 7.3 Johannes Fuchsmagen und der CP XIII G 14 182
- 7.4 Zur Frage nach den Quellen für den CP XIII G 14 198
- 7.5 Codex Pragensis XIII G 14: Zusammenfassung der bisherigen Ergebnisse und Gesamtbetrachtung 221
- 8 Konrad Peutinger und die norischen Inschriften 228
- 8.1 Peutingers handschriftliche Inschriftensammlungen 230
- 8.2 Johannes Fuchsmagen als Peutingers Gewährsmann 244
- 8.3 Die „Antiquus-Austriacus-Inschriften“ und die Inschriften von Augustinus Prygl Tyfernus in Peutingers 2° Cod. H 24 246
- 8.4 Zusammenfassung: Der Wert von Peutingers Handschriften für die Überlieferung norischer Inschriften 264
- 9 Johannes Choler und seine Inschriftensammlung 265
- 10 Die „Inscriptiones Sacrosanctae Vetustatis“ von Petrus Apianus und Bartholomaeus Amantius 295
- 10.1 Zur Intention und Gliederung des Werkes sowie zur Nennung seiner Quellen 300
- 10.2 Johannes Choler und die Inscriptiones sacrosanctae vetustatis 301
- 10.3 Die Inschriftensammlungen von Konrad Peutinger und Augustinus Prygl Tyfernus – Quelle für die Inscriptiones sacrosanctae vetustatis? 302
- 10.4 Johannes Aventinus als Quelle für die Inscriptiones sacrosanctae vetustatis 304
- 10.5 Der Codex Pragensis XIII G 14 und sein Verhältnis zu den Inscriptiones sacrosanctae vetustatis 305
- 10.5.1 Das Verzeichnis epigraphischer Abkürzungen im CP XIII G 14 und bei Apianus/Amantius 307
- 10.5.2 Der CP XIII G 14 als Quelle für norische (und oberpannonische) Inschriften bei Apianus/Amantius 311
- 10.5.3 Konsequenzen aus dem unmittelbaren Zusammenhang zwischen dem CP XIII G 14 und den Inscriptiones sacrosanctae vetustatis 330
- 10.6 Parallel verwendete Quellen und mehrfach überlieferte Inschriften bei Apianus/Amantius 337
- 10.7 Zusammenfassende Betrachtungen zur Arbeitsweise von Apianus/ Amantius und Gesamtbewertung der Inscriptiones sacrosanctae vetustatis 345
- 11 Johannes Fuchsmagen und seine epigraphische Sammeltätigkeit 347
- 12 Anhang: Tabellen zur Überlieferung norischer und oberpannonischer Inschriften 376
- Einleitende Bemerkungen und Hinweise zur Benützung 376
- Tab. 12.1: Inschriften bei Paolo Santonino, Cod. Vat. Lat. 3795 379
- Tab. 12.2: Inschriften, die von Augustinus Tyfernus und vom sogenannten Antiquus Austriacus überliefert werden 380
- Tab. 12.3: Im CVP 3255* und CP XIII G 14 enthaltene Inschriften 386
- Tab. 12.4: Inschriften in den Codices von Augustinus Tyfernus im Vergleich mit dem CP XIII G 14 395
- Tab. 12.5: Inschriften-Erstbelege bei „Antiquus Austriacus“, Augustinus Tyfernus und im CP XIII G 14 415
- Tab. 12.6: Inschriften im 4° Cod. H 26 der SuStBA („Picturae“) im Vergleich mit dem CP XIII G 14 425
- Tab. 12.7: Inschriften in Peutingers 2° Cod. H 23 im Vergleich mit dem CP XIII G 14 427
- Tab. 12.8: Inschriften in Peutingers 2° Cod. H 24 im Vergleich mit dem CP XIII G 14 428
- Tab. 12.9: Inschriften in Cholers CLM 394 im Vergleich mit Peutingers 2° Cod. H 24 und CP XIII G 14 437
- Tab. 12.10: Inschriften bei Apianus/Amantius im Vergleich mit Augustinus Tyfernus und Peutingers 2° Cod. H 24 443
- Tab. 12.11: Inschriften bei Apianus/Amantius im Vergleich mit dem CP XIII G 14 475
- Tab. 12.12: „Antiquus-Austriacus-Inschriften“ bei Peutinger, Choler, CP XIII G 14/Fuchsmagen und Apianus/Amantius 490
- Abkürzungs- und Siglenverzeichnis 503
- Quellen- und Literaturverzeichnis 508
- Abbildungsnachweis 539
- Indices 542
- Inschriftenindex 542
- Orts- und Personenindex 548