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Fest des Hagens, einen kleinen „Silberling“, um damit Reparaturen bzw das Material hierfür, oder andere
notwendige Ausgaben bezahlen zu können.
Der Silberling wurde, sofern er nicht ausgegeben werden musste, den untertänigen Töchtern als „Heiratsgut“
mitgegeben.
Veit, der Rädlmacher, Pferdebeschlager und Schmied des Haunspergers, war damals für die Fertigung
kunstvoller Schlösser bekannt, 2903
sodass bald viele adelige Herren, die zur Jagd oder zu Festen im Hagen
weilten, und die Kunstwerke sahen, solche besitzen wollten. Das „Hagkhenschloss“ wurde so rasch zu einer
zusätzlichen Einnahmequelle für die Herrschaft.
Das „Haunspergersteckhl“ (1168) 2904
Hinweis: Der in der Geschichte von 1168 auftretende Marcillus /Maizili mag ein Miles, ritterlicher Lehensmann
und Schaffer [Verwalter] Gottschalks I. (gest. Ende 1167) im Hagen, nach welchem er sich auch benannte,
gewesen sein.
Das Kremsmünsterer Nekrologium (12./13. Jh) verzeichnet einen „Maizili de Hagen“, dessen Gedenktag am
15. März eingetragen ist. Auch ein Herimannus ist am selben Tag unmittelbar nach Maizili angeführt. Die
Monumenta Germaniae Historica vermerken: “Hagen (castrum ap. Linz, O.-Ö. ?), de, Maizili 15/3, 198“. Die
Städtische Sammlung der Linzer Regesten enthält die Eintragung „Maizili de Hagen (=Hagen, Schloss bei Linz!),
Gedenktag 15. März“.
Zur Lokalisierung der Begebenheit ist zu bemerken, dass Hagen noch im 20. Jh Waldparzellen im Bereich
Koglerau [nördlich des Pöstlingbergs bei Linz, heute Gemeinde Gramastetten] besaß.
Der überlieferten historischen Begebenheit gemäß war am 15. März 1168 in dem Jagdhäusel des „Höffels am
Hagkhen yber dem fluss naegst Lynntz“ ein Brand ausgebrochen, wobei zwei sich während oder nach der Jagd
dort aufhaltende Personen, der Herr (vm der Schaffer) des Höfels zum Hagkhen, Marcillus, und Bruder
Herimannus ums Leben kamen. Marcillus/Maizili und Herimannus wurden vom langen Weber Michl noch aus den
Flammen gezogen, aber die Hilfe kam zu spät. Die unglücklichen Eltern ließen eine Säule aus dem Stein der
(Urfahr-) „Wänd“ hauen, sie datieren, mit dem Zeichen des Hagkhen [ I` = „verkehrter Einser“, Rune] und jenem
derer vHaunsperg, sowie mit den Buchstaben „M“ und „H“ versehen und am Ort des abgebrannten Gjaid- oder
Jagdhäusels aufstellen.
An jedem 15. März wurde in der Folge zum Gedenken dort ein Feuer entzündet und für die beiden gebetet. Die
Herrschaft und die Untertanen „samt denen vom Voffer vnnd Hagkhen vnnd außer des“ gingen mit Fackeln rund
um den Hof und zum Stein, wo der „Bruder im Haken“ für die beiden und für alle Anwesenden Gottes Segen
erbat und sang, wobei alle mitsangen. Die Menschen betrachteten allmählich das „Steinstöckl“ als eine Art
„Brandschutz“, und beteten jeweils am 15. März jeden Jahres für ein feuerfreies nächstes Jahr. Die untertänigen
Kinder legten dabei Blumen und Strohpuppen nieder und durften letztere anzĂĽnden. So war ein brandfreies Jahr
sicher, zumal der Brand dadurch schon stattgefunden hatte.
Familienfehde/Brudermord im Hause Haunsperg (13. Jh) 2905
Hinweis: Laut Annahme etlicher Forscher soll es sich bei dem ua in der Haunsperger Familienchronik
beschriebenen (gegenseitigen) Brudermord im Burggang der St. Pankraz-Kapelle bei Nussdorf/Sbg um Hochfreie
der letzten Generation, also mw um Söhne Ulrichs I. vHaunsperg gehandelt haben. Der Kampf müsste demnach
zu Beginn des 13. Jahrhunderts bzw um die damalige Jahrhundertwende stattgefunden haben. Die vielfach
angedachten Haunsperger Heinrich und Gottschalk II. - in der literarischen Darstellung Dypold und Hartold
genannt, welche im Kampf gegen einander ums Leben kamen - scheinen jedoch als Hauptfiguren dieser
Familiensaga insofern auszuscheiden, als sie in der Realität nicht gleichzeitig verstarben, sondern Heinrich 1211,
Gottschalk II. 1215.
Auch die als Zentralmotiv in den Vordergrund gestellte Liebe zur eigenen Schwester erscheint nicht
nachvollziehbar (s.o.); die - man möchte vermuten in diesem Sinne speziell eingebrachte - Schwester
2903
Einige wurden in einer Eisentruhe auf dem Dachboden des Schlosses Hagen, ostseitig, aufbewahrt. Der
Kaiserliche Rat Friedrich Tscherne konnte eines erwerben [= Anmerkung aus Tschernes Bericht]. OĂ–LMBibl,
Ehem. SA Hagen, As fol. 27. Vgl Schäffer, F. Tscherne.
2904
OĂ–LMBibl, Ehem. SA Hagen, As 27. MGH, Necrologia, IV, 621, 198. A Martius, II id.15, Stift KremsmĂĽnster.
Schäffer, Merkwürdiges aus dem Hagen Linz, 23. Schäffer, Schloß Hagen bei Linz,159.
2905
Haunsperger Familienchronik, Hs im Stift Michaelbeuern (P. Mag. Michael Eppenschwandtner). Vgl Michalek,
Haunsberg, 227ff.
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Adelsgeschlechter Hagen
- Title
- Adelsgeschlechter Hagen
- Author
- Hanna und Herbert Schäffer
- Publisher
- Austria-Forum
- Location
- Linz
- Date
- 2014
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 21.0 x 29.7 cm
- Pages
- 406
- Keywords
- Oberösterreich, Linz
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen
Table of contents
- Vorbemerkungen 1
- Die Herren Sunelburg und ihr Wappen 7
- Die Stammburg der Herren Sunelburg 16
- Stammtafel der Edlen Sunelburg 21
- Das Auftreten der Sunelburger in Urkunden 22
- Hohold (Irmingard PĂĽrten) 22
- Reginhard privignus 26
- Reginhard (I.) 28
- Walchun Sunelburg-Lungau 29
- Reginhard (II.) 30
- Elisabeth 31
- Beatrix 32
- Konrad (Benedicta von Haunsperg ) 37
- Beiträge zu mit den Edlen Sunelburg versippten Adelsgeschlechtern, den Sta 45
- Grafen Dornberg x - Lungau 46
- Dietmar I. (Irmingard vPĂĽrten ) 47
- Wolfram I. 49
- Hugo 49
- Dietmar II. 50
- Wolfram III. 54
- Edelfreien vAmerang - Schleunz 59
- Pabo 64
- Pabo I. Amerang-Schleunz (Elisabeth Sunelburg ) 65
- Pabo II. vAmerang-Schleunz (Anzbach, Elisabeth Waxenberg ) 68
- Otto I. Schleunz (Kunigunde Lengenbach/Velburg-Clam, Kunigunde Mern/Mähren)….………… 74
- Hochfreien Perg/Machland / Clam 83
- Walchun III. Machland-Lungau 85
- Hartlieb 87
- Otto II. (Kloster Erla ) 88
- Walchun IV. (Beatrix Sunelburg ) 94
- Grafen Bergtheim/Velburg -Clam 98
- Hermann (Adelheid Machland-Clam) 99
- Otto (Elisabeth Schleunz) 102
- Ulrich (Kunigunde Lengenbach) 105
- Stammtafel der Hochfreien Haunsperg 108
- Hochfreie Haunsperg 109
- Besitzungen der Hochfreien Haunsperg 114
- Linz/Donau -Haunsperger 119
- Meginhard I. 131
- Friedrich I. 132
- Benedicta (Schönhering , Sunelburg , Wilhering ) 134
- Luitgard (Erchenbert Moosbach ) 134
- Gottschalk I. (Otilia Wilhering) 138
- Friedrich III. de Lincz 140
- Ulrich I. (Adelheid von Au) 141
- Gottschalk II. 145
- Hinweise auf Elisabeth und Adelheid Haunsperg 152
- Stammtafel der Schönhering-Plankenberg 154
- Edlen Schönhering - Plankenberg 155
- Pernhart I. 160
- Engelbert I. Schönhering (Benedicta Haunsperg ) 162
- Engelbert II. Schönhering-Plankenberg (Kunigunde) 166
- Verbindung mit den Herrn Rosenberg/Witigonen (Witigo) 176
- Stammtafel der Rosenberg 176