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Codex Pragensis XIII G 14 | 163
Schriftspiegel: Linierung für 80 × 145 mm vielfach noch sichtbar; regelmäßige Über-
schreitungen in der Breite (bis 100 mm), da Initialbuchstaben der Inschrifttexte
außerhalb gesetzt wurden.
Zeilenanzahl: weitgehend konstant mit meist 20 (max. 21) Zeilen
Provenienz: Als Vorbesitzer ausgewiesen werden Philippus Apianus (Wappen auf
der Innenseite des Vorderdeckels aufgeklebt; Umschrift: „Insig. Philippi Apiani
MDLX – Medio Tutissimus ibis“) und das Prager Collegium fratrum minorum Hiberno-
rum (fol. 1r: „Collegii Pragens. fratrum Min. Hibernorum stric. obser.iae ad S. Ambrosium
sub lit. G4° 14“).695
Schreiber: Es sind zwei Hände in Humanistenkursive feststellbar. Hand I mit einem
sehr sorgfältigen, breiten Schriftduktus kann als „Haupthand“ bezeichnet werden;
von ihr stammen auch die Rubrizierungen. Von Hand II wurden eine ganze Lage
(fol. 79r–86v) sowie Zusätze auf fol. 179r-v, 202v, 214v, 215v und 220v–226v verfasst.696
Die insgesamt sehr sorgfältige Ausführung des gesamten Codex erinnert in Form
und Ausgestaltung stark an den – im Zusammenhang mit dem CVP 3255* – bereits
erwähnten Cod. Vat. Lat. 3616 sowie an den Cod. Vat. Lat. 10228. Der letztgenannte
Codex enthält ebenfalls auf Pergament die prunkvoll ausgestaltete erste Fassung von
Giocondos Sammlung. Aus den darin enthaltenen beiden Widmungsbriefen geht
hervor, dass dieses edle Manuskript für Lorenzo de’ Medici bestimmt war. Es
stammt aus der geübten Hand von Bartolomeo Sanvito, der auch viele andere Codi-
ces für Giocondo anfertigt hat.697 Bei näherer Betrachtung der drei genannten Hand-
schriften fällt auf, dass für die jeweiligen Rubrizierungen dieselben Farbtöne
verwendet worden sind: Die Ortsangaben sowie die Anfangsbuchstaben der In-
schrifttexte wurden in tannengrüner und blitzblauer Farbe geschrieben, was zu die-
ser Zeit nicht allzu häufig vorkommt, sowie mit roter Tinte, deren Schattierung von
hell bis dunkel reicht.
Um unnötige Verwirrung zu vermeiden, wird auch in der vorliegenden Arbeit die neuzeitliche
Foliierung des Codex übernommen und daraus folgernd „fol. 157“ und „157bis“ vergeben.
695 Wann und wie die Handschrift nach Prag gelangte, ist nicht bekannt. Auch über ihren
Entstehungsort können an dieser Stelle mangels Wasserzeichen keine sicheren Aussagen getroffen
werden. Weitere Hinweise ergeben sich erst aus dem noch zu zeigenden Zusammenhang mit dem
CVP 3255*. Siehe dazu v. a. Kap. 7.1.
696 Zu Besonderheiten der Schreiberhände siehe weiter unten, zur Identifizierung von Hand II siehe
Kap. 7.2.3.
697 Nicht nur Giocondos und Sanvitos Schrift sind einander sehr ähnlich: Zahlreiche weitere Kopisten
waren um Nachahmung bemüht. Zu Sanvito und seiner Arbeit für Giocondo siehe James
Wardrop, The Script of Humanism. Some Aspects of Humanistic Script. 1460–1560, Oxford 1963, 19–35,
bes. 27ff.
Der sogenannte Antiquus Austriacus und weitere auctores antiquissimi
Zur ältesten Überlieferung römerzeitlicher Inschriften im österreichischen Raum
- Titel
- Der sogenannte Antiquus Austriacus und weitere auctores antiquissimi
- Untertitel
- Zur ältesten Überlieferung römerzeitlicher Inschriften im österreichischen Raum
- Autor
- Doris Marth
- Verlag
- Holzhausen Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2016
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-902976-43-7
- Abmessungen
- 21.4 x 30.2 cm
- Seiten
- 572
- Schlagwörter
- Antiquus Austriacus, Austria, Epigraphy, Humanism, Inscriptions, Manuscript Tradition, Roman Period, Antiquus Austriacus, Epigraphik, Humanismus, Inschriften, Österreich, Römerzeit, Überlieferung
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen
Inhaltsverzeichnis
- 1 Zur historischen Entwicklung der Überlieferung lateinischer, insbesondere norischer Inschriften von den Anfängen bis zum Ende des 14. Jahrhunderts 19
- 1.1 Anfänge und Vorstufen der Überlieferung lateinischer Inschriften 19
- 1.2 Anfänge und Vorstufen der Überlieferung norischer Inschriften 23
- 1.3 Berchtold von Kremsmünster und die älteste Abschrift einer norischen Inschrift 26
- 1.4 Die Inschrift CIL III 5630 im Codex membraneus LIV des Stiftes Lambach 36
- 2 Neue Impulse aus Italien: Humanismus und Renaissance als „Geburtsphase“ der lateinischen Epigraphik 40
- 3 Die Ausbreitung und Etablierung humanistischen Gedankengutes im Ostalpenraum aus epigraphischer Sicht 56
- 4 Augustinus Prygl Tyfernus und die norischen Inschriften 99
- 5 Der sogenannte Antiquus Austriacus: Mommsens Pseudonym für den Verfasser der ältesten Sammlung norischer Inschriften 139
- 6 Die Wiener Handschrift CVP 3255* 147
- 7 Der Codex Pragensis XIII G 14 der Národní Knihovna, Prag 162
- 7.1 Das Verhältnis zwischen CP XIII G 14 und CVP 3255*: Eine Inschriftensammlung und ihr Register 170
- 7.2 Folgen aus dem Zusammenhang CVP 3255* – CP XIII G 14 174
- 7.3 Johannes Fuchsmagen und der CP XIII G 14 182
- 7.4 Zur Frage nach den Quellen für den CP XIII G 14 198
- 7.5 Codex Pragensis XIII G 14: Zusammenfassung der bisherigen Ergebnisse und Gesamtbetrachtung 221
- 8 Konrad Peutinger und die norischen Inschriften 228
- 8.1 Peutingers handschriftliche Inschriftensammlungen 230
- 8.2 Johannes Fuchsmagen als Peutingers Gewährsmann 244
- 8.3 Die „Antiquus-Austriacus-Inschriften“ und die Inschriften von Augustinus Prygl Tyfernus in Peutingers 2° Cod. H 24 246
- 8.4 Zusammenfassung: Der Wert von Peutingers Handschriften für die Überlieferung norischer Inschriften 264
- 9 Johannes Choler und seine Inschriftensammlung 265
- 10 Die „Inscriptiones Sacrosanctae Vetustatis“ von Petrus Apianus und Bartholomaeus Amantius 295
- 10.1 Zur Intention und Gliederung des Werkes sowie zur Nennung seiner Quellen 300
- 10.2 Johannes Choler und die Inscriptiones sacrosanctae vetustatis 301
- 10.3 Die Inschriftensammlungen von Konrad Peutinger und Augustinus Prygl Tyfernus – Quelle für die Inscriptiones sacrosanctae vetustatis? 302
- 10.4 Johannes Aventinus als Quelle für die Inscriptiones sacrosanctae vetustatis 304
- 10.5 Der Codex Pragensis XIII G 14 und sein Verhältnis zu den Inscriptiones sacrosanctae vetustatis 305
- 10.5.1 Das Verzeichnis epigraphischer Abkürzungen im CP XIII G 14 und bei Apianus/Amantius 307
- 10.5.2 Der CP XIII G 14 als Quelle für norische (und oberpannonische) Inschriften bei Apianus/Amantius 311
- 10.5.3 Konsequenzen aus dem unmittelbaren Zusammenhang zwischen dem CP XIII G 14 und den Inscriptiones sacrosanctae vetustatis 330
- 10.6 Parallel verwendete Quellen und mehrfach überlieferte Inschriften bei Apianus/Amantius 337
- 10.7 Zusammenfassende Betrachtungen zur Arbeitsweise von Apianus/ Amantius und Gesamtbewertung der Inscriptiones sacrosanctae vetustatis 345
- 11 Johannes Fuchsmagen und seine epigraphische Sammeltätigkeit 347
- 12 Anhang: Tabellen zur Überlieferung norischer und oberpannonischer Inschriften 376
- Einleitende Bemerkungen und Hinweise zur Benützung 376
- Tab. 12.1: Inschriften bei Paolo Santonino, Cod. Vat. Lat. 3795 379
- Tab. 12.2: Inschriften, die von Augustinus Tyfernus und vom sogenannten Antiquus Austriacus überliefert werden 380
- Tab. 12.3: Im CVP 3255* und CP XIII G 14 enthaltene Inschriften 386
- Tab. 12.4: Inschriften in den Codices von Augustinus Tyfernus im Vergleich mit dem CP XIII G 14 395
- Tab. 12.5: Inschriften-Erstbelege bei „Antiquus Austriacus“, Augustinus Tyfernus und im CP XIII G 14 415
- Tab. 12.6: Inschriften im 4° Cod. H 26 der SuStBA („Picturae“) im Vergleich mit dem CP XIII G 14 425
- Tab. 12.7: Inschriften in Peutingers 2° Cod. H 23 im Vergleich mit dem CP XIII G 14 427
- Tab. 12.8: Inschriften in Peutingers 2° Cod. H 24 im Vergleich mit dem CP XIII G 14 428
- Tab. 12.9: Inschriften in Cholers CLM 394 im Vergleich mit Peutingers 2° Cod. H 24 und CP XIII G 14 437
- Tab. 12.10: Inschriften bei Apianus/Amantius im Vergleich mit Augustinus Tyfernus und Peutingers 2° Cod. H 24 443
- Tab. 12.11: Inschriften bei Apianus/Amantius im Vergleich mit dem CP XIII G 14 475
- Tab. 12.12: „Antiquus-Austriacus-Inschriften“ bei Peutinger, Choler, CP XIII G 14/Fuchsmagen und Apianus/Amantius 490
- Abkürzungs- und Siglenverzeichnis 503
- Quellen- und Literaturverzeichnis 508
- Abbildungsnachweis 539
- Indices 542
- Inschriftenindex 542
- Orts- und Personenindex 548