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Am 16. September 1603 um 14 Uhr wurde die ca 16-jährige Anna Maria Engl vWagrain
(geb. um 1587, gest. November/Dezember 1619) Jobst Schmidtauer dJ vOberwallsee und
Freudenstein zur Ehe gegeben.2658 Im Heiratsbrief beurkundete Jobst Schmidauer, dass er
die eintausend Gulden, „jeden derselben Zu Funffzechen Pazen oder Sechzig khreizern
gerechnet Zu Rechtem Heyratguet Vnnd Haimbsteur“, die ihm seine „liebe Junnckhfraw
Braut“ zugebracht habe, widerlege und noch fünfhundert Gulden freie Morgengabe
hinzugefügt habe „Zu Ergezlichkhait Irer Junnckhfreylichen Ehr, Zucht Vnnd Tugent“. Er
sicherte sie fĂĽr den Fall der Witwenschaft ab, auch bezĂĽglich aller LehensgĂĽter, deren
Nutzung etc, der Witwenwohnung, garantierte ihr jährlich 400 fl, Wagen und Pferde, usw
solange sie Witwe sei. Ebenso sorgte er fĂĽr den Fall, dass er Witwer wĂĽrde, vor.2659
Ein besonderes und persönlich durchdachtes Hochzeitsgeschenk für das Brautpaar Anna
Maria Engl vWagrain und Jobst Schmidtauer dJ vOberwallsee, jenes des Nimrod
Kölnböck, war ein „Khyrchbildt“ für die Kapelle in Oberwallsee, gleichsam eine annähernd
identische Zweitanfertigung des damaligen Originalgemäldes der Schlosskapelle von
(Nieder-) Wallsee mit der Darstellung der Taufe im Jordan. Im „zweiten Kölnböckischen
Gemälde“ ähnelte das Antlitz des Johannes jedoch jenem des Brautvaters Stefan Engl und
das der Maria jenem der Barbara Engl- Khueperger, Anna Marias Mutter,2660 was durchaus
keine ungewöhnliche Vorgangsweise war. So soll der Salzburger Fürsterzbischof Wolf
Dietrich vRaitenau seine „Ehefrau zur linken Hand“, die als Schönheit gepriesene
Lebensgefährtin Salome Alt, als Maria Magdalena im Vordergrund des Gemäldes der
Grablegung Christi von Camillo Procaccini darstellen lassen haben.2661
Im Hinblick auf das Johannes-Gemälde ist anzunehmen, dass Anna Maria, anlässlich eines
Besuches in Wallsee, besonderen Gefallen an Kölnböcks Kirchenbild gefunden hatte,
sodass er es als Hochzeitsgeschenk fĂĽr sie nachmalen lieĂź. Dieses zweite Original wurde
nach der Hochzeit zunächst von Oberwallsee in den Hagen und kurz danach wieder retour
gebracht, wanderte nach Anna Marias Tod erneut in ihr elterliches Schloss, aber nicht in die
Kapelle, sondern in den „Stainsal“, wo es neben dem Bildnis des Stefan Engl aufgehängt
wurde. Danach verlor sich seine Spur. Laut Vermerk im Schlossarchiv Hagen scheint es die
Beute bayrischer Soldaten geworden zu sein: „baierisch krigsvolck genumben“ stand auf
dem erhalten gebliebenen kleinen Abbild.2662 Dieses Abbild, das sogenannte „Helffbüldtl“,
wurde im Hagen - wie zu jener Zeit auch andererorts ĂĽblich - bei diversen
Gesundheitsproblemen als „Auflegbild“, zusätzliches „christliches Heilmittel“, herangezogen,
so im Jahre 1612, als das Untertanenkind Johannes Reingruber im Eis der zugefrorenen
Donau eingebrochen, erst in letzter Sekunde gerettet werden konnte und bereits „gannz
blauh vndt unbeweklich“ war. Am 10. Dezember 1736 wurde es laut Vermerk im
Schlossarchiv Hagen bei der Geburt der Tochter des Braumeisters Matthias Leeb dessen
Gemahlin auf den Leib gelegt, um eine problemlose Geburt zu gewährleisten. Nimrod
Kölnböck selbst soll vor seinem Bild gebetet haben, nachdem ihm die Schmidtauerin [Anna
2658
OĂ–LA, Hft SchlĂĽsselberg, Bd 12 b, Repertorium 1724, 126 Nr. 30, Original Heiratsbrief. Hoheneck, III, 612.
Unterfertigt von Herrn Abraham Schachner zu Ebenzweier.
2659
OĂ–LA, Kopienarchiv, Sch. 13, Fasz. 2, Germanisches Archiv NĂĽrnberg, NĂĽrnberger Filmkopien, Nr. 46, dat.
Oberwallsee, 16. September 1603.
2660
OÖLMBibl, Ehem. SA Hagen, As fol. 6. Ähnliche Vorgangsweise findet sich in den Glasgemälden des „Neuen
Domes“ in Linz, wo die Gesichtszüge dargestellter Personen der Realität nachempfunden wurden. Vgl
Oberchristl, Gemälde-Fenster. Böhm, Fensterzyklen. Vgl Schicklberger/Baumgartner, Glasgemälde Linzer Dom.
Bzgl Johannes d.T. siehe auch Festschrift Neulengbach, 33: Johannes d.T. und Martin. Vgl AK Heilige/Stmk, 41.
2661
Der Erzbischof stiftete dieses Bild dem Kloster Langnau (Stadt Tettnang/ Bodenseekreis), wo sich seit 1380
die Grablege seiner Familie befand. Nach der Zerstörung des Klosters 1793 gelangte das Altarbild in die
nahegelegene Pfarrkirche Hiltensweiler. AK Wolf Dietrich vRaitenau, 12. Internet: Procaccini: 1546 in Bologna
geboren. Salome Alt vAltenau wurde 1609 von Ks Rudolf II. geadelt. Kloster Abtenau ist heute Schloss Mirabell
(Stadt Salzburg) benamt, welches Salomes „Gemahl“ 1606 für sie errichten ließ.
2662
OÖLMBibl, Ehem. SA Hagen, As fol. 6. Schäffer, GHft Hagen/Inhaber, Bd I; Schäffer, Johannes-Kapelle, 33.
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Adelsgeschlechter Hagen
- Title
- Adelsgeschlechter Hagen
- Author
- Hanna und Herbert Schäffer
- Publisher
- Austria-Forum
- Location
- Linz
- Date
- 2014
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 21.0 x 29.7 cm
- Pages
- 406
- Keywords
- Oberösterreich, Linz
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen
Table of contents
- Vorbemerkungen 1
- Die Herren Sunelburg und ihr Wappen 7
- Die Stammburg der Herren Sunelburg 16
- Stammtafel der Edlen Sunelburg 21
- Das Auftreten der Sunelburger in Urkunden 22
- Hohold (Irmingard PĂĽrten) 22
- Reginhard privignus 26
- Reginhard (I.) 28
- Walchun Sunelburg-Lungau 29
- Reginhard (II.) 30
- Elisabeth 31
- Beatrix 32
- Konrad (Benedicta von Haunsperg ) 37
- Beiträge zu mit den Edlen Sunelburg versippten Adelsgeschlechtern, den Sta 45
- Grafen Dornberg x - Lungau 46
- Dietmar I. (Irmingard vPĂĽrten ) 47
- Wolfram I. 49
- Hugo 49
- Dietmar II. 50
- Wolfram III. 54
- Edelfreien vAmerang - Schleunz 59
- Pabo 64
- Pabo I. Amerang-Schleunz (Elisabeth Sunelburg ) 65
- Pabo II. vAmerang-Schleunz (Anzbach, Elisabeth Waxenberg ) 68
- Otto I. Schleunz (Kunigunde Lengenbach/Velburg-Clam, Kunigunde Mern/Mähren)….………… 74
- Hochfreien Perg/Machland / Clam 83
- Walchun III. Machland-Lungau 85
- Hartlieb 87
- Otto II. (Kloster Erla ) 88
- Walchun IV. (Beatrix Sunelburg ) 94
- Grafen Bergtheim/Velburg -Clam 98
- Hermann (Adelheid Machland-Clam) 99
- Otto (Elisabeth Schleunz) 102
- Ulrich (Kunigunde Lengenbach) 105
- Stammtafel der Hochfreien Haunsperg 108
- Hochfreie Haunsperg 109
- Besitzungen der Hochfreien Haunsperg 114
- Linz/Donau -Haunsperger 119
- Meginhard I. 131
- Friedrich I. 132
- Benedicta (Schönhering , Sunelburg , Wilhering ) 134
- Luitgard (Erchenbert Moosbach ) 134
- Gottschalk I. (Otilia Wilhering) 138
- Friedrich III. de Lincz 140
- Ulrich I. (Adelheid von Au) 141
- Gottschalk II. 145
- Hinweise auf Elisabeth und Adelheid Haunsperg 152
- Stammtafel der Schönhering-Plankenberg 154
- Edlen Schönhering - Plankenberg 155
- Pernhart I. 160
- Engelbert I. Schönhering (Benedicta Haunsperg ) 162
- Engelbert II. Schönhering-Plankenberg (Kunigunde) 166
- Verbindung mit den Herrn Rosenberg/Witigonen (Witigo) 176
- Stammtafel der Rosenberg 176