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V.7 Funktionen des völkischen Korporationswesens für die FPÖ
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Diese konnte , so eine Nachbemerkung , „nur durch die finanzielle Unterstützung un-
serer Freunde , Gönner und nicht zuletzt unserer Bundesbrüder“ verwirklicht werden.
Unter jenen zehn Personen , denen dabei „( b )esondere( r ) Dank“ gebühre , nennt die
Chronik mindestens sechs FPÖ-Funktionäre , offenbar nur teilweise selbst Aldanen.359
Die Verbundenheit des Parteipersonals mit den völkischen Verbindungen ist demnach
nicht notwendig an persönliche Mitgliedschaften geknüpft.
V.7 Funktionen des völkischen Korporationswesens für die FPÖ
Obwohl selbst nicht korporiert , räumt Friedrich Peter in der Rückschau auf sein 20-jäh-
riges Wirken als FPÖ-Obmann ( 1958 bis 1978 ) sowie die Entwicklung der Partei seither
dem völkischen Vereinswesen im Allgemeinen und den akademischen Korporationen
im Besonderen breiten Raum ein. Unterstreicht bereits dieser Umstand die Bedeutung
des genannten Spektrums für die Partei , so sind Peters Einschätzungen aufgrund der
darin Niederschlag findenden Innenansichten über nahezu den gesamten Untersu-
chungszeitraum hinweg von großem Aufschlussreichtum. Bei der Einordnung von Pe-
ters Aussagen ist freilich zu berücksichtigen , dass das Verhältnis des Langzeit obmannes
zu den völkischen Vereinen von Konflikten geprägt war , was seiner Perspektive einen
gewissen Bias verleihen mag.360
Der jedenfalls zu Beginn der Parteigeschichte zentrale Stellenwert des völkischen
Vereinswesens , ja die Abhängigkeit der Partei von diesem wird von Peter sehr offen be-
nannt. „( D )ie Nationalen“ seien „in den Anfangs- und Aufbaujahren das unverrückbare
Fundament“ der FPÖ gewesen.361 Es sei „( a )ußer Zweifel“ gestanden , „daß die Frei-
heitliche Partei die Nationalen damals suchte , wollte und brauchte“. Bemühungen um
„die bestmöglichen Gesprächsgrundlagen zu den Repräsentanten der Vereine und Ver-
bände“ hätten daher schlichtweg zum Aufgabenbereich der FPÖ-Bundesführung ge-
zählt.362 Erschwert worden seien diese Bemühungen nicht zuletzt dadurch , dass manche
359 Vgl. Aldania 1994 , 244.
360 Als Höhepunkte der hier angesprochenen Konflikte lassen sich die Grillmayer zufolge von „ ‚Nationa-
len‘ “ orchestrierte Abwahl Peters aus dem oberösterreichischen Landesparteivorstand 1984 sowie der vom
Burschenschafter und Turnerbündler Karl Katary ( Bruna Sudetia ) gegen ihn angestrengte Antrag auf
Parteiausschluss 1991 anführen ( vgl. Grillmayer 2006 , 182 f. bzw. Peter 1998 , 158 ). Allerdings zeigt sich
Peter durchaus um eine nuancenreiche Einschätzung der Rolle der innerparteilichen ‚Nationalen‘ be-
müht und würdigt ausdrücklich ihre Verdienste um Partei und Staat ( vgl. Peter 1998 , 141 f. ).
361 Peter 1998 , 142.
362 Ebd., 141. Zeugnis davon legt etwa ein aufwendig gestaltetes Glückwunschschreiben Peters ( als
FPÖ-Obmann ) zum 100-Jährigen-Bestandsjubiläum Olympias 1959 ab , das kaum das einzige sei-
ner Art gewesen sein dürfte. Eine Wiedergabe des Schreibens findet sich in Dvorak 1996 , 49. Wei-
ters zählte offenbar der Besuch einschlägiger Veranstaltungen zu den Pflichten des Parteiobmannes.
„ IM NATIONALEN ABWEHRKAMPF DER GRENZLANDDEUTSCHEN“
Akademische Burschenschaften und Politik in Österreich nach 1945
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Titel
- „ IM NATIONALEN ABWEHRKAMPF DER GRENZLANDDEUTSCHEN“
- Untertitel
- Akademische Burschenschaften und Politik in Österreich nach 1945
- Autor
- Bernhard Weidinger
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2015
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC 3.0
- ISBN
- 978-3-205-79600-8
- Abmessungen
- 17.0 x 24.0 cm
- Seiten
- 634
- Schlagwörter
- Burschenschaft, Studentenverbindung, Männerbund, Deutschnationalismus, Nationalismus, Rechtsextremismus, Konservatismus, Südtirol, Hochschulpolitik, VDU (Verband der Unabhängigen), FPÖ (Freiheitliche Partei Österreichs)
- Kategorien
- Geschichte Nach 1918
Inhaltsverzeichnis
- I. Einleitung 11
- II. Nationalsozialismus und postnazistische Restauration 45
- II.1 Völkische Korporierte im (und für den) Nationalsozialismus 45
- II.2 Korporationen und ‚Entnazifizierung‘ 52
- II.3 Die Wiedererrichtung der Bünde 56
- II.4 Rückeroberung von Öffentlichkeit 71
- II.5 Burschenschaftliche Vergangenheitsbewältigung 80
- II.5.1 Die erste Bestandsaufnahme Günther Berkas (1950/51) 83
- II.5.2 Die Auseinandersetzung um das ‚burschenschaftliche Geschichtsbild‘ (ab 1956) 90
- II.5.3 Burschenschaftliche Gedenkpolitik 96
- Exkurs: Zur Spezifik burschenschaftlicher Vergangenheitsbewältigung in Österreich 107
- II.5.4 Die Feldpost-Anthologie der Oberösterreicher Germanen (1967) 110
- Exkurs: Die Sprache der Vergangenheit 112
- II.5.5 Generationenverhältnis zwischen Konflikt und Konformismus 114
- II.5.6 Vergangenheitsbewältigung um die Jahrtausendwende 124
- II.5.7 Schlussbetrachtungen 127
- III. Burschenschaftliche Ideologie in Österreich 133
- III.1 Die Burschenschaften in Österreich als politische Vereinigungen 133
- III.2 Der burschenschaftliche Auftrag an den Einzelnen 150
- III.3 Burschenschaftliche Erziehung 164
- III.3.1 Der burschenschaftliche Erziehungsauftrag 164
- III.3.2 Ebenen und Orte burschenschaftlicher Erziehung 171
- III.3.3 Funktionen und Konsequenzen 177
- III.4 Politisch-ideologische Heterogenität und burschenschaftlicher Corpsgeist 181
- III.4.1 Meinungsvielfalt und -hegemonie 181
- Exkurs: Zur relativen Abweichung der Oberösterreicher Germanen 186
- III.4.2 Konflikt und Kontroversen 191
- III.4.3 Die Außenwahrnehmung: Burschenschaften als Monolith 201
- III.4.4 Ursachen und Folgen burschenschaftlicher ‚Geschlossenheit‘ 210
- III.5 Wandel und Beharrung 213
- III.5.1 Burschenschaften zwischen Avantgarde und Reaktion 214
- III.5.2 Die Restaurationsphase: weiter (fast) wie bisher 220
- III.5.3 Die 1960er-Jahre: Weckrufe und Reformanläufe 225
- III.5.4 Der Streit um die Ehrenordnung 229
- Exkurs: Das Duellwesen in Österreich nach 1945 232
- III.5.5 Die 1970er-Jahre: Aufbruchsstimmung und Backlash 233
- III.5.6 Gründe der Wandlungsresistenz 236
- III.6 Selbstbild: Gegen-Elite 249
- III.7 Völkischer Nationalismus als weltanschaulicher Angelpunkt 273
- III.8 Burschenschaften und Demokratie 302
- III.8.4 Der Einzelbund: ein ‚Parlament im Kleinen‘? 319
- III.8.5 Individuum und Kollektiv 326
- IV. Praxis burschenschaftlicher Politik 335
- IV.1 Burschenschaftliche Betätigung im politischen Sinn 335
- IV.2 Burschenschaftliche Betätigung im metapolitischen Sinn 355
- IV.2.1 Gegen ‚Zeitgeist‘ und ‚Umerziehung‘: Frühe burschenschaftliche Metapolitik 355
- IV.2.2 Wider die ‚österreichische Nation‘ 360
- IV.2.3 Gegen ‚Geschichtslügen‘: Burschenschaftliche Geschichtspolitik 365
- IV.2.4 Einsatz für ‚das Deutschtum‘: die ‚Volkstumspolitik‘ der Burschenschaften 374
- IV.2.5 ‚ Nach außen wirken‘: burschenschaftliche Publizistik und Öffentlichkeitsarbeit 377
- IV.2.6 ‚Neue Rechte‘ gegen ‚Neue Linke‘? 386
- IV.2.7 Rezeption der ‚Neuen Rechten‘ 399
- IV.2.8 Burschenschaftliche Metapolitik um die Jahrtausendwende 412
- IV.3 Burschenschaftliche Südtirol-Politik 416
- V. Burschenschaften und politische Parteien 443
- V.1 Völkische Korporationen als freiheitliche Kaderschmieden: eine statistische Annäherung 448
- V.2 Zur Überparteilichkeit des Burschenschaftswesens in Österreich 476
- V.3 Flügelkämpfe und Personaldebatten 489
- V.4 Programmatik und Policy-Ebene 511
- V.5 Parteienkooperation und Koalitionsoptionen 521
- V.6 Funktionen der FPÖ für die völkischen Korporationen 532
- V.7 Funktionen des völkischen Korporationswesens für die FPÖ 541
- V.8 Völkische Verbindungen und FPÖ: prekäre Interessengemeinschaft auf Gegenseitigkeit 550
- VI. Abschließende Überlegungen 557
- Anhang
- Literatur, publizierte Quellen, Chroniken und Festschriften 581
- Archive und Archivalien 603
- Verbindungsstudentische, völkische und freiheitliche Periodika 608
- Tabelle und Diagramme 609
- Zitierte eigene Interviews 609
- Abkürzungsverzeichnis 610
- Glossar: Organisationen, Organe, verbindungsstudentische Begriffe 612
- Personenregister 619