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vom 09.01.2018, aktuelle Version,

Jens Weißflog

Jens Weißflog

Jens Weißflog (2017)

Nation Deutschland Demokratische Republik 1949  DDR
Deutschland  Deutschland
Geburtstag 21. Juli 1964
Geburtsort Steinheidel-Erlabrunn, DDR
Karriere
Verein SC Traktor Oberwiesenthal
Oberwiesenthaler SV 1990
Trainer Joachim Winterlich
Debüt im Weltcup 30. Dezember 1980
Pers. Bestweite 201 m (Bad Mitterndorf 1996)[1]
Status zurückgetreten
Karriereende 15. Juni 1996
Medaillenspiegel
Olympische Medaillen 3 × 1 × 0 ×
WM-Medaillen 3 × 4 × 4 ×
SFWM-Medaillen 0 × 1 × 1 ×
Nationale Medaillen 5 × 1 × 0 ×
 Olympische Winterspiele
0Gold0 1984 Sarajevo Normalschanze
0Silber0 1984 Sarajevo Großschanze
0Gold0 1994 Lillehammer Großschanze
0Gold0 1994 Lillehammer Team Großschanze
 Nordische Skiweltmeisterschaften
0Gold0 1984 Sarajevo Normalschanze
0Silber0 1984 Sarajevo Großschanze
0Silber0 1984 Engelberg Team
0Gold0 1985 Seefeld Normalschanze
0Bronze0 1985 Seefeld Team Großschanze
0Gold0 1989 Lahti Normalschanze
0Silber0 1989 Lahti Großschanze
0Bronze0 1991 Val di Fiemme Großschanze
0Bronze0 1991 Val di Fiemme Team Großschanze
0Silber0 1995 Thunder Bay Team Normalschanze
0Bronze0 1995 Thunder Bay Großschanze
 Skiflug-Weltmeisterschaften
0Silber0 1985 Planica Einzel
0Bronze0 1990 Vikersund Einzel
 Deutsche Meisterschaften
0Silber0 1991 Oberstdorf Großschanze
0Gold0 1991 Oberstdorf Normalschanze
0Gold0 1993 Oberhof/Oberwiesenthal Großschanze
0Gold0 1993 Oberhof/Oberwiesenthal Normalschanze
0Gold0 1994 Oberstdorf Normalschanze
0Gold0 1995 Schonach/Titisee-Neustadt Großschanze
Platzierungen
 Weltcupsiege (Einzel) 33  (Details)
 Weltcupsiege (Team) 1  (Details)
 Gesamtweltcup 1. (1983/84)
 Skiflug-Weltcup 8. (1995/96)
 Sprung-Weltcup 4. (1995/96)
 Vierschanzentournee 1. (1983/84, 1984/85,
1990/91, 1995/96)
 Weltcup-/A-Klasse-Podium 1. 2. 3.
 Einzelspringen 33 18 19
 Skifliegen 0 1 2
 Teamspringen 1 3 2
 

Jens Weißflog (* 21. Juli 1964 in Steinheidel-Erlabrunn) ist ein ehemaliger deutscher Skispringer. Er zählt zu den fünf Athleten (neben ihm Espen Bredesen, Thomas Morgenstern, Matti Nykänen und Kamil Stoch), welche die wichtigsten vier Wettbewerbe im Skisprung-Sport (Olympia, Weltmeisterschaften, Gesamtweltcup und Vierschanzentournee) gewonnen haben. Weißflog ist der einzige Athlet, der sowohl im Parallel-Stil als auch im V-Stil eine Einzelmedaille bei Olympischen Spielen erringen konnte (siehe Skisprungtechnik).

Werdegang

Weißflog bei den DDR-Skimeisterschaften 1989

Jens Weißflog wuchs in Pöhla auf und lebt seit dem Besuch der Kinder- und Jugendsportschule in Oberwiesenthal, wo er dem SC Traktor angehörte. Bereits als 19-Jähriger gewann der – wegen seiner schmächtigen Statur und seines geringen Körpergewichts oft „Floh vom Fichtelberg“ genannte – Skispringer erstmals die Vierschanzentournee zum Jahreswechsel 1983/84. In dieser Saison wurde er Olympiasieger auf der Normalschanze in Sarajevo und gewann den Gesamtweltcup. In den folgenden Jahren dominierte Weißflog zusammen mit dem überragenden Finnen Matti Nykänen die Skisprung-Welt: 1985 und 1989 holte er WM-Gold (insgesamt neun weitere Podiumsplatzierungen), 1984, 1985, 1991 und 1996 gewann er die Vierschanzentournee. 1991 erhielt er die Holmenkollen-Medaille.

Die Einzigartigkeit seines Erfolges liegt darin, dass Jens Weißflog sein Niveau über zwölf Jahre behaupten konnte. Weder der Systemwechsel von der DDR in die Bundesrepublik 1990 noch die Umstellung der Skisprungtechnik vom Parallel- auf den V-Stil um 1993 konnten Weißflog längerfristig zurückwerfen. 1994 gewann er – zehn Jahre nach seinem ersten olympischen Triumph – bei den Olympischen Winterspielen in Lillehammer zwei Goldmedaillen auf der Großschanze und mit der Mannschaft.

Im Jahre 1996 krönte er seine Karriere mit dem vierten Gesamtsieg bei der Vierschanzentournee, danach trat er vom Leistungssport zurück. Im Juni 1996 fand auf der Fichtelbergschanze in Oberwiesenthal eine Abschiedsgala von Jens Weißflog statt, bei der er noch einmal zu einem Mattenspringen antrat und sich als Zweitplatzierter mit Schanzenrekord (102 Meter) hinter Janne Ahonen verabschiedete.[2]

Weißflog ist der erfolgreichste deutsche Skispringer, international konnten nur die Finnen Matti Nykänen und Janne Ahonen sowie Adam Małysz aus Polen und der Österreicher Gregor Schlierenzauer mehr Weltcup-Siege erringen. Weißflog gewann drei olympische Goldmedaillen. Des Weiteren ist er viermaliger Sieger der Vierschanzentournee, nur Janne Ahonen hat es auf fünf Siege gebracht.

Nach seinen Olympiasiegen in Lillehammer wurde er am 27. Februar 1994 zum Ehrenbürger von Oberwiesenthal ernannt.[3] Im Jahre 2003 wurde der am 30. November 2000 in der Volkssternwarte Drebach (Erzgebirge) entdeckte Planetoid 2000 WX158 nach Jens Weißflog benannt. Er trägt jetzt die offizielle Bezeichnung (22168) Weissflog und bewegt sich zwischen den Planeten Mars und Jupiter um die Sonne.[4]

Sportliche Erfolge

Olympische Winterspiele

  • 1984 in Sarajevo: 1 × Gold (Normalschanze), 1 × Silber (Großschanze)
  • 1994 in Lillehammer: 2 × Gold (Großschanze, Großschanze Mannschaft)

Weltmeisterschaften

  • 3 × Gold (1984, 1985, 1989)
  • 5 × Silber (2 x 1984, 1985, 1989, 1995)
  • 5 × Bronze (1989, 1990, 2 × 1991, 1995)

Deutsche Meisterschaften

  • 5 × Gold (1991, 2 × 1993, 1994, 1995)
  • 1 × Silber (1991)
  • 5 × DDR-Meister[5]

Weltcupsiege im Einzel

Nr. Datum Ort Typ
1. 6. Januar 1983 Osterreich  Bischofshofen Großschanze
2. 1. Januar 1984 Deutschland Bundesrepublik  Garmisch-Partenkirchen Großschanze
3. 4. Januar 1984 Osterreich  Innsbruck Großschanze
4. 6. Januar 1984 Osterreich  Bischofshofen Großschanze
5. 11. Januar 1984 Italien  Cortina d’Ampezzo Normalschanze
6. 15. Januar 1984 Tschechoslowakei  Liberec Großschanze
7. 12. Februar 1984 Jugoslawien Sozialistische Föderative Republik  Sarajevo Normalschanze
8. 27. März 1984 Jugoslawien Sozialistische Föderative Republik  Planica Flugschanze
9. 1. Januar 1985 Deutschland Bundesrepublik  Garmisch-Partenkirchen Großschanze
10. 17. Februar 1985 Schweiz  Engelberg Großschanze
11. 6. Dezember 1986 Kanada  Thunder Bay Normalschanze
12. 24. Januar 1988 Schweiz  Engelberg Großschanze
13. 22. Januar 1989 Deutschland Demokratische Republik 1949  Oberhof Großschanze
14. 5. März 1989 Norwegen  Oslo Großschanze
15. 8. März 1989 Schweden  Örnsköldsvik Normalschanze
16. 27. März 1989 Jugoslawien Sozialistische Föderative Republik  Planica Flugschanze
17. 27. März 1989 Jugoslawien Sozialistische Föderative Republik  Planica Großschanze
18. 17. Dezember 1989 Japan  Sapporo Großschanze
19. 1. Januar 1990 Deutschland  Garmisch-Partenkirchen Großschanze
20. 17. Januar 1990 Polen  Zakopane Großschanze
21. 30. Dezember 1990 Deutschland  Oberstdorf Großschanze
22. 1. Januar 1991 Deutschland  Garmisch-Partenkirchen Großschanze
23. 12. Dezember 1993 Slowenien  Planica Großschanze
24. 14. Dezember 1993 Italien  Predazzo Großschanze
25. 30. Dezember 1993 Deutschland  Oberstdorf Großschanze
26. 22. Januar 1994 Japan  Sapporo Normalschanze
27. 23. Januar 1994 Japan  Sapporo Großschanze
28. 5. März 1994 Finnland  Lahti Großschanze
29. 27. März 1994 Kanada  Thunder Bay Normalschanze
30. 29. Januar 1995 Finnland  Lahti Großschanze
31. 6. Januar 1996 Osterreich  Bischofshofen Großschanze
32. 20. Januar 1996 Japan  Sapporo Normalschanze
33. 17. Februar 1996 Vereinigte Staaten  Iron Mountain Großschanze

Weltcupsiege im Team

Nr. Datum Ort Typ
1. 25. März 1994 Kanada  Thunder Bay Großschanze

Weltcup-Platzierungen

Saison Platz Punkte
1982/83 16. 80
1983/84 1. 230
1984/85 4. 151
1985/86 16. 77
1986/87 11. 103
1987/88 6. 111
1988/89 2. 192
1989/90 6. 200
1990/91 8. 141
1991/92 37. 16
1992/93 11. 61
1993/94 2. 1110
1994/95 6. 683
1995/96 4. 1028

Schanzenrekorde

Ort Land Weite aufgestellt am Rekord bis
Bischofshofen Osterreich  Österreich 110,0 m
(HS: 140 m)
6. Januar 1983 6. Januar 1983
Garmisch-Partenkirchen Deutschland  Deutschland 108,0 m
(HS: 140 m)
1. Januar 1984 1. Januar 1989
Innsbruck Osterreich  Österreich 107,5 m
(HS: 130 m)
4. Januar 1984 4. Januar 1985
Bischofshofen Osterreich  Österreich 114,0 m
(HS: 140 m)
6. Januar 1984 6. Januar 1987
Engelberg Schweiz  Schweiz 121,0 m
(HS: 137 m)
17. Januar 1984 17. Februar 1984
Oberwiesenthal Deutschland  Deutschland 96,0 m
(HS: 106 m)
1984 1985
Hinterzarten Deutschland  Deutschland 95,5 m
(HS: 108 m)
1993 3. August 1994
Engelberg Schweiz  Schweiz 124,0 m
(HS: 137 m)
17. Februar 1984 15. Januar 1994
Oberstdorf Deutschland  Deutschland 124,5 m
(HS: 137 m)
30. Dezember 1993 29. Dezember 1996
Garmisch-Partenkirchen Deutschland  Deutschland 110,0 m
(HS: 140 m)
1. Januar 1994 1. Januar 1994
Sapporo Japan  Japan 125,0 m
(HS: 137 m)
23. Januar 1994 19. Januar 1997
Lillehammer Norwegen  Norwegen 135,5 m
(HS: 138 m)
23. Februar 1994 28. November 1998
Oberwiesenthal Deutschland  Deutschland 97,5 m
(HS: 106 m)
1995 1996
Bad Mitterndorf/Tauplitz Osterreich  Österreich 201,0 m
(HS: 225 m)
11. Februar 1996 8. Februar 1997
Iron Mountain Vereinigte Staaten  Vereinigte Staaten 131,5 m
(HS: 130 m)
18. Februar 1996 18. Februar 1996
Oberwiesenthal Deutschland  Deutschland 102,0 m
(HS: 106 m)
1996 2003

Privatleben und politische Tätigkeit

Weißflog ist heute Hotelier in seiner Heimatstadt Oberwiesenthal und war bis 2011 als Skisprung-Experte beim ZDF tätig. Er war 17 Jahre verheiratet und hat aus dieser Ehe, neben seiner Tochter aus einer früheren Beziehung, zwei Söhne. Im Juli 2005 trennte sich das Paar einvernehmlich. Im Oktober 2010 wurden Weißflog und seine jetzige Lebensgefährtin Doreen Fiebich Eltern einer Tochter.[6]

Zur Volkskammerwahl 1986 wurde Weißflog von der FDJ als Nachfolgekandidat der Volkskammer der DDR nominiert.[7][8]

Bei der Stadtratswahl am 7. Juni 2009 erlangte Weißflog für die Oberwiesenthaler CDU ein Mandat.[9]

Auszeichnungen

Literatur

  Commons: Jens Weißflog  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Rekordy życiowe skoczków narciarskich (polnisch) skokinarciarskie.pl. 3. Februar 2013. Abgerufen am 3. Februar 2013.@1@2Vorlage:Toter Link/www.skokinarciarskie.pl (Seite nicht mehr abrufbar; Suche in Webarchiven)
  2. Ergebnisse. In: Sport-Bild. 19. Juni 1996, S. 70.
  3. @1@2Vorlage:Toter Link/www.oberwiesenthal.de Seite nicht mehr abrufbar; Suche in Webarchiven: Ehrenbürger der Stadt Kurort Oberwiesenthal
  4. JPL Small-Body Database Browser: 22168 Weissflog (2000 WX158). Jet Propulsion Laboratory, 2. Oktober 2003, abgerufen am 14. Juli 2012.
  5. @1@2Vorlage:Toter Link/www.skispringen.com Seite nicht mehr abrufbar; Suche in Webarchiven: skispringen.com
  6. SKIJUMPING.de: @1@2Vorlage:Toter Link/www.skijumping.de Seite nicht mehr abrufbar; Suche in Webarchiven: Jens Weißflog erneut Vater, abgerufen am 12. Oktober 2010.
  7. Präsidium der Volkskammer (Hrsg.): Die Volkskammer der Deutschen Demokratischen Republik. Wahlperiode 9. 1. Auflage. Staatsverlag der DDR, Berlin 1987, ISBN 3-329-00119-4.
  8. Es konnte bisher nicht zweifelsfrei nachgewiesen werden, dass Weißflog zu irgendeinem Zeitpunkt als Abgeordneter nachrückte.
  9. Freie Presse, Lokalausgabe Annaberg vom 9. Juni 2009: Skisprung-Legende schafft Sprung in die Politik.